Verbreitung irrsinniger Thesen der „Germanischen Neuen Medizin“ von Ryke Geerd Hamer und Unterstützung des pseudomedizinischen „Gelsenkirchener Behandlungsverfahrens“ zur angeblichen Heilung von Asthma und Neurodermitis durch den Verein „Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.

Verfasser: Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen

In der Donk 30, 40599 Düsseldorf, wk@reimbibel.de , 5.11.2019 / 13.6.2020

 

Über den „Gelsenkirchener Klinikskandal“ um Prof. Ernst August Stemmann und dessen „Gelsenkirchener Behandlungsverfahren“ (GBV) habe ich ausführlich schon in den Jahren 2004 bis 2008 berichtet. Von einem Verriss des GBVs und Spott über den „Galilei aus Gelsenkirchen“ durch Dennis Ballwieser im Spiegel vom 7.3.2005 abgesehen (https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39613469.html) ist meine damalige Kritik am GBV aber weitgehend wirkungslos verpufft.

Sehr viel mehr öffentliches Interesse hat ab Herbst 2018 die filmische Dokumentation „Elternschule“ ausgelöst, die sichtbar machte, wie in der Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen (KKG) mit verhaltensauffälligen Kleinkindern und deren Müttern umgegangen wird. Es wird in diesem Film nur ein Kind mit einer Allergie (Neurodermitis) gezeigt. Die Reaktionen auf diesen Film reichen von großem Lob bis zu blankem Entsetzen.  

Ich habe daher meine kaum noch im Internet zu findende Kritik am GBV wieder ausgegraben, überarbeitet und ergänzt. Erschienen sind bisher ein Übersichtsartikel: www.reimbibel.de/GBV-Kinderklinik-Gelsenkirchen.pdf oder .htm, eine ausführliche Chronik des Gelsenkirchener Klinikskandals: www.reimbibel.de/Chronik-des-Gelsenkirchener-Klinikskandals.htm , die Kritik eines für die ÄKWL angefertigten Gefälligkeitsgutachtens: www.reimbibel.de/Kritik-an-einem-Gutachten-von-Hendrik-Karpinski.pdf  oder .htm und verschiedene weitere Artikel: www.reimbibel.de/Kritik-am-Gelsenkirchener-Behandlungsverfahren.htm  

 

1. Verschiedene Informationen über den Verein AuK und das GBV

Der Bundesverband AuK wurde nicht 1991 gegründet und auch nicht von Anfang an von Annegret Braun geleitet, wie auf Internetseiten der Kinderklinik und des Vereins AuK zu lesen ist, sondern 1988 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Gelsenkirchen eingetragen: www.reimbibel.de/AuK-VR.jpg . Sein erster 1. Vorsitzender war Herr Wilhelm Steimann, der 1992 verstarb. Von 1992 bis 2005 war Ulrich Neumann, Regionaldirektor der AOK und wichtiger Funktionär bei der Caritas und anderen sozial engagierten Einrichtungen der Katholischen Kirche, 1. Vorsitzender des Vereins. Nachdem Kritik von mir, vom Spiegel und vom Laborjournal bekannt geworden ist, ist der inzwischen verstorbene Herr Neumann vom Vorsitz des Vereins zurückgetreten.

 

Einträgen im Vereinsregister (VR 667 und VR 20667) ist u.a. zu entnehmen:

19.11.1990:

1. Vorsitzender: Industriekaufmann Wilhelm Steimann,

stellvertretender Vorsitzender: Kinderarzt Prof. Dr. Ernst-August Stemmann

31.3.1992:

Vorsitzender: Geschäftsführer Ulrich Neumann.

stellvertretende Vorsitzende: Hausfrau Annegret Braun

25.10.2005:

Ulrich Neumann ist aus dem Vorstand ausgeschieden.

Vorsitzende: Annegret Braun,

stellvertretende Vorsitzende: Frauke Döllekes

2.3.2009:

Die Vorstandsmitglieder vertreten mehrheitlich.

28.7.2011:

Annegret Braun ist aus dem Vorstand ausgeschieden.

16.5.2017:

Gewählt als Vorstand: Ewald Geldmacher, Sandra Vloet, Maureen Kaftan

 

Wer aktuell 1. Vorsitzende/r ist, geht aus dem VR nicht hervor, es scheint aber seit 2011 Frau Döllekes zu sein. Zu einem Ausscheiden von Prof. Stemmann aus dem Vorstand gibt es im VR keine Eintragung. Vermutlich ist er nach vier Jahren ausgeschieden. Zuletzt hatte der Verein zwei Internetseiten: www.bundesverband-allergie.de und www.allergie-und-umweltkrankes-Kind.de . Beide Seiten werden seit 2018 „gewartet“. Ende 2918 hat sich AuK angesichts von Kritik an dem Film „Elternschule“ noch hinter die KKG gestellt: www.film-elternschule.de/Statement-der-Selbsthilfeorganisation-Allergie-und-umweltkrankes-Kind-e.V.php .

 

Prof. Stemmann war zumindest bis zu seinem Ausscheiden aus der Klinik (3/2008) die entscheidende treibende Kraft hinter dem Verein, der ihm als Sprachrohr und Vertreiber seiner Schriften und Bücher diente. Es scheint, dass die Gründung des Vereins nicht von Herrn Steimann, sondern von Prof. Stemmann ausging, der wie der von ihm verehrte Krebsscharlatan Ryke Geerd Hamer der Meinung war und wohl auch noch ist, dass der Patient sich im Grunde selbst heilen muss.

 

Das GBV gibt nur die Anleitung zur Selbsttherapie. Gibt es eine „Selbstheilung“ hat der Patient bzw. dessen soziales Umfeld die Empfehlungen des Behandlungsteams umgesetzt. Bricht eine Mutter die Behandlung ab oder persistiert die Krankheit, liegt das nicht am Behandlungskonzept, sondern daran, dass der Patient bzw. dessen Umfeld die therapeutischen Anweisungen (noch) nicht ausreichend umsetzen kann. Das GBV hat immer Recht. Den Eltern von erkrankten Kindern wird zwar erklärt, sie seien an der Erkrankung ihrer Kinder nicht schuld, andererseits werden sie durch Vorträge und Übungen zu den eigentlich zu behandelnden Patienten gemacht, und es wird ihnen damit suggeriert, dass sie für die Krankheit, den Therapieerfolg und gegebenenfalls auch für einen Misserfolg der therapeutischen Bemühungen in hohem Maße selbst verantwortlich sind.

 

Die AuK-Vereinszentrale war zunächst in einem Gebäude der Kinderklinik in Gelsenkirchen-Westerholt untergebracht und befindet sich seit 2008 in Gelsenkirchen-Buer auf der Station KJ2 der KKG. Der Verein hatte in Hochzeiten bis zu 50 Ortsgruppen, zu denen bis zu 2600 Mitgliederfamilien gehörten. 2016 waren es – vermutlich bedingt durch das Ausscheiden von Prof. Stemmann aus der Klinik - nur noch 30 Ortsgruppen und knapp 1000 Mitglieder.  AuK sorgt dafür, dass Patienten und deren Mütter aus ganz Deutschland nach Gelsenkirchen kommen und dadurch erheblich zum Umsatz der Klinik beitragen. Auf diese Weise bekam Prof. Stemmann und bekommt nun Dr. Lion eine große Zahl von Kassen- und Privatpatienten, die sie sonst nie gesehen hätten.

 

Der Verein berät Mütter vor, während und nach ihrem Klinikaufenthalt, wenn sie Zweifel am Konzept und den Methoden des GBVs oder Fragen haben (z.B. zur Umstellung der Ernährung oder zur empfohlenen sogenannten „liebevoll-konsequenten Erziehung“ nach Langer).

 

Dem Verein AuK dürften sich zu Zeiten Stemmanns vor allem Mütter angeschlossen haben, die glauben, dass das GBV sich sehr positiv auf die Neurodermitis (ND) oder das Asthma ihres Kindes oder dessen Verhaltensstörungen ausgewirkt hat. Von Eltern, die mit dem GBV schlechte Erfahrungen gemacht oder sogar frustriert die Behandlung abgebrochen haben – s. z.B. https://www.kinder-verstehen.de/wp-content/uploads/Fallberichte_aus_neurodermitis_ch_v2-2.pdf  , scheint es keine Vereinigung und entsprechend keine von Journalisten beachtete Öffentlichkeitsarbeit zu geben. (Ergänzung: Auf Facebook gibt es seit 2019 eine GBV-kritische Seite: „Elternschule – die Informationsseite“, auf der u.a. Mütter über ihre negativen Erfahrungen mit dem GBV berichten.)

 

2. Verbreitung von Elementen der Irrlehre Hamers durch den Verein AuK

 

a) Vertrieb von Broschüren

AuK e.V. hat viele Jahre lang die von Stemmann verfasste und im Dezember 1994 erschienene Broschüre „Asthma bronchiale. Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren“ vertrieben: http://www.klinikskandal.com/Beweisstueck_20050405_Asthma_bronchiale.pdf .

 

Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Asthma geht Stemmann von der Krankheitslehre Hamers aus:

Asthma beruht auf einer zentral-funktionellen Fehlsteuerung.“ (S. 4)

Asthma entsteht, wenn der Betroffene ein krankmachendes Gefühl empfindet oder ein Gefühl der Kränkung erlebt hat.“ (S. 5)

„Der Betroffene ist weder psychisch auffällig, noch besitzt er eine kranke Seele. Er hat sich lediglich „verfühlt“, und dadurch ist er an einem Asthma erkrankt. … Asthma kann nur durch ein Gefühl entstehen, das den Betroffenen elementar, unerwartet, vergleichbar einem Schock, trifft. … Bestimmte Gefühle haben Bezug zu bestimmten Krankheiten und gehen ihnen voraus. Beim Asthma dominiert das Gefühl “Revierangst”. … Jemand droht, in das Revier, das der Betroffene für sich reklamiert, einzudringen oder es unerlaubterweise zu verlassen.“ (S. 6)

Der Krankheitsverlauf ist zweiphasig: erst wenn das krankmachende Gefühl überwunden ist, d. h. in der Entspannung, setzt Asthma ein.“ (S. 8)

 

Ab 1996 hat AuK außerdem eine von Prof. Stemmann verfasste ND-Broschüre vertrieben: http://web.archive.org/web/20050324165947/http://www.kinderklinik-ge.de/Schriften/Neurodermitis.pdf .  Auf Seite 2 steht u.a.:

 

Nach dem hier vertretenen Konzept ist die Neurodermitis nicht als eine Hauterkrankung zu betrachten. … Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren geht davon aus, daß ganz spezifische Streßsituationen für das Entstehen einer Neurodermitis verantwortlich sind. Grundsätzlich entsteht eine chronische Krankheit durch ein Gefühl, welches den Betreffenden elementar, unerwartet, vergleichbar einem Schock trifft. Bei der Neurodermitis ist dies das Gefühl von Trennung. Der Betroffene ist trennungsängstlich, trennungsempfindlich.

Unter Trennung ist hierbei der unerwartete Abriß des Körperkontaktes, der Verlust des Kontaktes zur Mutter, Familie, zu Freunden, zur gewohnten Umgebung zu verstehen. Wichtig ist, daß nicht jede Trennung in die Erkrankung führen kann, sondern nur eine Trennungssituation, in der der Betreffende gefühlsmäßig “auf dem falschen Fuß erwischt” wird, in der er sich “verfühlt”.“

 

Diese Auffassungen von der Entstehung von Asthma und ND, die von keiner anderen Kinderklinik auf diesem Planeten vertreten wird, beruhen eindeutig auf der „Germanischen Neuen Medizin“ von Hamer. Das GBV geht bis heute von diesen bizarren Hypothesen aus und verwendet eine aus der Therapie von (einverstandenen!) Erwachsenen bekannte (und nicht von Hamer vorgeschlagene) verhaltenstherapeutische Methode („flooding“),  um durch Retraumatisierung der Kinder nach dem Motto „Gelobt sei, was hart macht“ deren angebliche „Trennungsangst“ oder „Revierangst“ zu reduzieren. „Nebenwirkungen“ dieser hochriskanten und wissenschaftlich nicht adäquat begleiteten „Therapie“ haben Stemmann & Stemmann (2002) so beschrieben:

Phase 1: nach der Verabschiedung schreit und kratzt sich das Kind wie toll. Es zieht sich in eine Ecke des Raumes zurück oder sucht Schutz an der Wand. Es nimmt keinerlei Kontakt mit seiner Umwelt, Umgebung auf und wehrt Zuwendung und Ablenkung durch eine andere Person heftig ab.“ (S. 176)

 

b) Vertrieb von Büchern

AuK hat viele Jahre lang Bücher von Prof. Stemmann vertrieben, s. z.B. https://web.archive.org/web/20021217021259/http://members.aol.com/AUKGE/auk_book.htm .

 

In dem 1999 im Eigenverlag erschienenen und von AuK vertriebenen Buch „Asthma ist heilbar. Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren“, das 533 Seiten hat, auf denen 322 mal das Wort „Revierangst“ vorkommt, steht z.B.:

 

Revierangst verursacht Asthma … Die minutiöse Analyse der Lebensgeschichten von Asthmakranken hat ergeben, daß Asthma - erstmals auftrat, als etwas elementar gegen den Willen des Betreffenden geschah und künftighin immer dann ausgelöst wird, wenn etwas passiert, daß die Person sich anders vorgestellt hat, wenn der Betroffene sich bedrängt fühlt.

Beachte:

Asthma entsteht, wenn etwas elementar gegen den Willen des Betreffenden geschieht! Daß etwas, das gegen den eigenen Willen geht, Asthma verursacht, ist nur zu verstehen aus der Sicht der Evolution. Es handelt sich um ein Urgefühl des Menschen, sein Revier ist bedroht, Angst um das Revier kommt auf und ruft extremen Streß hervor. Aus Sicht der Evolution entsteht Asthma durch Revierangst (119). “(S. 58)

 

Im Literaturverzeichnis findet man unter Nr. 119:

Hamer, R. G.: Kurzfassung der Neuen Medizin (Stand 1994)

Zur Vorlage im Habilitationsverfahren von 1981 an der Universität Tübingen

Amici di Dirk Verlagsgesellschaft, Köln 1994

(Die Universität Tübingen hat das Habilitationsgesuch von Hamer abgelehnt. Einer der beiden Gutachter, die Hamer vorgeschlagen hatte, war Stemmann:

https://web.archive.org/web/20090629031715/http://www.pilhar.com/News/Amici_n/94_07.htm )

 

Ein Mensch, der unter Revierangst leidet, erlebt bei einem vermuteten oder realen Revierkonflikt Streß und reagiert darauf unangemessen - mit Asthma - und seine Reaktion läßt sich willentlich nicht verhindern.“ (S. 63)

 

AuK hat auch das Buch von E.A. Stemmann und S. Stemmann (2002) „Selbstheilung (Spontanheilung) der Neurodermitis. (Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren)“ vertrieben. Darin stehen ebenfalls Aussagen, die mit der Irrlehre Hamers inhaltlich übereinstimmen. Beispiele:

 Der Erkrankte kann seine Neurodermitis selbst heilen.“ (S. 4)

Eine Neurodermitis entsteht durch ein Trennungs-, Verlusterlebnis, das unkontrollierbaren Stress hervorruft. … Minutiöse Analysen des Lebens Erkrankter haben ergeben, dass dem erstmaligen Auftreten neurodermitischer Hauterscheinungen ausnahmslos (!) eine Trennung ... vorausgegangen ist.“ (S. 37)

Menschen, die eine andere Krankheit als die Neurodermitis erworben haben, geben ein anderes, spezifisch zu der jeweiligen Krankheit passendes Gefühl an, das traumatisiert worden ist.“ (S. 41)

 

c) Organisation von Vortragsveranstaltungen

AuK hat in „ganz Deutschland“ Vorträge von Prof. Stemmann und Dr. Lion organisiert, die unter dem Titel „Neurodermitis ist heilbar“ oder „Allergien sind heilbar“ liefen und dadurch dazu beigetragen, dass Auffassungen Hamers zur Entstehung von Krankheiten, insbesondere Asthma und ND, mündlich und über Zeitungen, s. z.B. https://www.lokalkompass.de/essen-sued/c-ratgeber/ueber-allergien-und-ihren-zusammenhang-mit-der-psyche-informiert-ein-vortrag-in-bredeney_a760068 , verbreitet wurden.

 

d) Internetseiten des Vereins AuK

AuK hat zunächst eine Webseite bei aol.com betrieben und betreibt aktuell die Seiten www.bundesverband-allergie.de und www.allergie-und-umweltkrankes-kind.de . Beide Seiten sind seit Sommer 2018 (?) nicht mehr aufrufbar. Das GBV wurde viele Jahre lang wie folgt beschrieben:

 

„Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren bei allergisch / chronischen Erkrankungen (insbesondere Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen) von Prof. Dr. med. E. A. Stemmann
Hier handelt es sich um ein ganzheitliches Modell, das die eigentliche Ursache der Erkrankung sucht und darauf die Behandlung aufbaut.
Es vertritt die Meinung, daß die Ursachen einer Krankheit stets in einer Gefühlsverletzung liegen, die den Erkrankten unerwartet getroffen hat und die durch bestimmte Auslöser verstärkt und erhalten bleibt.
Das so gestörte Immunsystem wird durch bestimmte Behandlungspunkte wieder in den Normbereich gebracht.
Die Gesundung ist so programmiert. …
Hilfe zur Selbsthilfe ist der Schlüssel zum Erfolg!“

https://web.archive.org/web/20021003082519/http://members.aol.com/AUKGE/gels_mod.htm

https://web.archive.org/web/20090509074732/http://www.bundesverband-allergie.de/index.php?id=12 https://web.archive.org/web/20130505030342/http://www.bundesverband-allergie.de/index.php?id=77

 

Ich werfe dem Verein AuK vor, dass er durch den Verkauf von Büchern und Broschüren, den AuK-Brief für seine Mitglieder, Darstellungen im Internet und vom ihm organisierte Vorträge zur Verbreitung der gemeingefährliche Irrlehre Hamers beigetragen hat. Es ist nicht auszuschließen, dass durch AuK Eltern auf die im Internet sehr aktive Hamer-Sekte aufmerksam wurden und Kontakt zu ihr aufgenommen haben. In einigen Fällen ist gut belegt, dass Hamer Krebspatienten von wirksamen medizinischen Therapien abgehalten und dadurch deren Leben verkürzt hat. Es gibt außerdem starke Hinweise darauf, dass es schon über 100 Todesopfer gegeben hat. Wer sich mit diesem Skandal näher beschäftigen will, bekommt z.B. hier viele Hinweise: http://www.ariplex.com/ama/ama_ham2.htm  , https://www.psiram.com/de/index.php/Ryke_Geerd_Hamer.

Für die Inhalte beider Seiten kann ich mich nicht verbürgen, da ich mich längere Zeit nicht mehr mit der – von Prof. Stemmann ab 1992 kräftig unterstützten -„Germanischen Neuen Medizin“ beschäftigt habe.

 

3. AuK weigert sich, auf meine kritischen Fragen zu antworten

2005 habe ich etliche Persönlichkeiten aus Politik und Gesundheitswesen über den Gelsenkirchener Klinikskandal informiert. Darunter auch den Regionaldirektor der AOK Ulrich Neumann, der einen großen Bezirk mit den Städten Bochum, Dortmund und Herne leitete. Herr Neumann war als Nachfolger von Herrn Wilhelm Steimann ab Herbst 1991 bis Herbst 2005 der 1. Vorsitzende des Vereins AuK e.V.. Ich habe ihn daher 2005 schriftlich u.a. danach gefragt, ob ihm bekannt sei, „dass Herr Dr. Stemmann ein Anhänger der (Germanischen) Neuen Medizin des dreifach vorbestraften ehemaligen Arztes Dr. Ryke Geerd Hamer ist“, und dass sein Verein „auf seinen Internetseiten Hamersche Ideologie verbreitet.“ Darauf schrieb mir Herr Neumann:

Zu Ihren Vorwürfen gegenüber Herrn Prof. Stemann nehmen wir nicht Stellung, da wir das Ergebnis Ihrer Aktivitäten, die wir der Homepage „Kidmed.de“ entnommen haben, abwarten möchten.“ Nach dieser ausweichenden Antwort habe ich erneut nachgefragt und dann diese Reaktion bekommen:

Wir, d.h. die Mitglieder des Vorstandes des Vereins, lehnen es angesichts Ihrer zig Eingaben und Aktivitäten ab, zu Ihren Vorwürfen gegenüber Herrn Prof. Stemmann Stellung zu nehmen. Auch werden wir Ihre Fragen nicht beantworten.“ Siehe: https://tinyurl.com/y4l895nj .

 

4. AuK unterstellt mir, eine Diffamierungskampagne zu betreiben

AuK hat sich der Verteidigungslinie von Prof. Stemmann angeschlossen und unter der Überschrift „Der Versuch, das ganzheitliche und erfolgreiche Gelsenkirchener Behandlungsverfahren zu diskreditieren:“ auf seiner Webseite verbreitet: „Seit ca. 1 1/2 Jahren gibt es unlautere Versuche, eine Verbindung zwischen der Neuen Medizin nach Dr. Hamer und dem Gelsenkirchener Behandlungsverfahren nach Prof. Dr. Stemmann herzustellen.“ https://web.archive.org/web/20090509074732/http://www.bundesverband-allergie.de/index.php?id=12

Diese Behauptung ist unwahr, weil ich die Verbindung zwischen der „Neuen Medizin“ und dem GBV nicht hergestellt, sondern lediglich dokumentiert hatte. Stemmann hat nachweislich Hamers extrem esoterische Vorstellungen von der Verursachung aller Krankheiten durch „Gefühlsverletzungen“ sowie von Asthma und ND durch Revierangstkonflikte“ bzw. „Trennungskonflikte“ übernommen und als eigene Entdeckungen ausgegeben. Dies war dem Verein AuK durch meine Schriften, auf die einzugehen er nicht bereit war, bekannt. Dass Stemmann das brutale „Trennungstraining“ oder die unverantwortliche Ernährungsumstellung für alle Kinder von Hamer übernommen hätte, habe ich nie behauptet.

 

Meine Kritik am GBV, die Kritik von drei Hochschullehrern und weiteren Professoren, Journalisten und Bloggern wurde von Dr. Stemmann und dem Aufsichtsrat von Bergmannsheil als Diffamierungskampagne diffamiert. Dazu habe ich hier ausführlich Stellung genommen: www.reimbibel.de/PAMPHLET-KRITIK.pdf . (zur Zeit nicht aufrufbar)

 

5. Pädiatrische Psychosomatik unter Kurt-André Lion und D. Langer

Inzwischen wird der Verein nicht mehr von Prof. Stemmann, sondern von Dietmar Langer und Dr. Kurt-André Lion „medizinisch und wissenschaftlich beraten“: https://web.archive.org/web/20111027215757/http://www.bundesverband-allergie.de/wir-ueber-uns/

Beide Herren sind Mediziner, aber sie haben nie hauptberuflich wissenschaftlich gearbeitet. Es mag sein, dass Herr Dr. Lion im Rahmen seiner mir nicht bekannten Dissertation unter Anleitung adäquat wissenschaftlich gearbeitet hat. Eine Fähigkeit zur selbständigen und selbstkritischen wissenschaftlichen Arbeit konnte ich aber bei beiden bisher nicht erkennen.

 

Langer arbeitet seit 1991 als klinischer Psychologe in der Abteilung für Allergologie bzw. Pädiatrische Psychosomatik der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen bzw. ab 2002 der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen. Er hat das GBV wesentlich mitgeprägt. Vor allem die anscheinend ohne Rücksicht auf den individuellen Entwicklungsstand des Kindes und die jeweilige Mutter-Kind-Beziehung rigoros durchgeführten täglich mehrstündigen und nächtlichen Trennungen von Mutter und Kind scheint er eingeführt zu haben. Langer hat sich meines Wissens nie explizit für oder gegen Hamers „Neue Medizin“ ausgesprochen, sich aber offensichtlich der von Hamer, Stemmann und Lion vertretenen Trennungstheorie der ND gut angepasst: „Gefährliche Trennungserfahrungen sind solche, die einen plötzlich “auf dem falschen Fuß erwischen“ und für das Individuum in diesem Moment nicht einzuordnen sind. Solche biologischen Trennungserfahrungen geschehen gleichsam als “Schreck“ und haben mit Sicherheit nachhaltige Wirkung auf die weitere Steuerung des Organismus und zwar auf der Organ – wie auf der Verhaltensebene.“ (AuK-Brief 3/2002, S. 2)

 

Mit der Formulierung „biologische Trennungserfahrungen“ ist Langer semantisch Hamer sogar näher als Stemmann und Lion, denn „biologischer Konflikt“ und „biologische Sonderprogramme“ spielen in Hamers GNM eine zentrale Rolle, und Langer behauptet auf Seite 3 sogar: „Alles spricht hier für die durch ähnliche Umstände bedingte Reaktivierung eines wesentlich älteren biologischen Konfliktes“. Dr. Stemmann wird es ihm nicht verübelt haben, dass er statt von einem „Schock“ von einem „Schreck“ gesprochen hat.

 

Lion wurde von 1992 bis 1997 unter Stemmann als Facharzt für Kinderheilkunde ausgebildet und arbeitet seit 1996 (?) beim GBV mit. 2008 wurde er in der Nachfolge Stemmanns ärztlicher Leiter der Abteilung für Psychosomatik. Das GBV wurde unter Lion und Langer in „Multimodale-3-Phasen-Therapie“ und „Stationäre Komplextherapie“ umbenannt und auf kindliche Verhaltensstörungen ausgeweitet. Die neue Verpackung scheint aber in Hinblick auf Asthma und ND im Wesentlichen den gleichen Inhalt wie zu Zeiten Stemmanns (in der Zeit von 1991 bis 2008) zu enthalten. Wie der folgende, am 28.10.2011 abgerufene Text zeigt, haben Langer und Lion von Stemmann wesentliche Elemente der Krankheitslehre Hamers und das bisherige Therapiekonzept übernommen:

Die pädiatrische psychosomatische Behandlung bei allergisch / chronischen Erkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten

Neurodermitis, Asthma, Heuschnupfen/ Regulationsstörungen wie Ess- und Schlafstörungen

Hier handelt es sich um ein ganzheitliches Modell, das die eigentliche Ursache der Erkrankung sucht und darauf die Behandlung aufbaut.

Es vertritt die Meinung, dass die Ursachen einer Krankheit stets in einer Gefühlsverletzung liegen, die den Erkrankten unerwartet getroffen hat und die durch bestimmte Auslöser verstärkt und erhalten bleibt.

Das irritierteImmunsystem wird durch die Behandlung wieder in den Normbereich gebracht.

Die Gesundung kann so programmiert werden.

https://web.archive.org/web/20111028095441/http://www.bundesverband-allergie.de/behandlung/

 

Lion scheint ein gelehriger Schüler Stemmanns zu sein. Dieser Schüler hat sich anscheinend bis heute nicht von der Begeisterung seines Lehrers für die Krankheitslehre Hamers oder dem Unsinn, den Stemmann in Broschüren und Büchern von sich gegeben hat, distanziert. Lion führt – wie in der Dokumentation „Elternschule“ gezeigt – bei Kleinkindern „Stressimpfungen“ durch. Es erscheint mir zweifelhaft, dass z.B. die absichtliche Beeinträchtigung des psychischen Befindens von Kindern durch unnötige medizinische Untersuchungen medizinisch indiziert ist. Vor allem beim „Trennungstraining“ bei allen Kindern mit Asthma oder ND könnte es sich um die Misshandlung Schutzbefohlener handeln.

 

Diese Trennungen geschehen zwar mit Einverständnis der anwesenden Mutter, deren Entscheidungsfreiheit ist aber angesichts des Leidens ihres Kindes und des starken Drucks durch das vermeintlich hochkompetente Stationspersonal oft stark eingeschränkt. Aus meiner Sicht sind etliche dieser Mütter auf der von Stemmann und später Lion geleiteten Abteilung für pädiatrische Allergologie und Psychosomatik selbst zu misshandelten Schutzbefohlenen geworden, die sich in ihrer Verzweiflung – ähnlich Hamerschen Krebspatienten – auf ein obskures Heilsversprechen selbstbewusst auftretender „Experten“ eingelassen haben. Es wäre zu prüfen, ob alle Mütter vor Beginn der Behandlung adäquat darüber aufgeklärt werden, wieviel Stress ihnen und ihren Kindern bevorsteht. Der Film „Elternschule“ lässt den Verdacht aufkommen, dass sie zum Teil überrumpelt und dann zum Durchhalten gedrängt wurden.

 

Dass Dr. Lion der GNM des irrsinnigen Krebsscharlatans Ryke Geerd Hamer nahe steht, wird auch dadurch belegt, dass er zumindest im Jahr 2017 für Arztberichte einen Vordruck verwendet hat, in dem als Diagnosen „Neurodermitis bei Trennungsangst“ und „Asthma bronchiale bei Revierangst“ angekreuzt werden können: www.reimbibel.de/Lion-Arztbrief-Formular.jpg .

 

6. Kosten und Nutzen der Behandlung von Asthma und ND durch das GBV

 

Kosten und negative Efekte des GBVs

a) Ich schätze, dass ein Tag „stationäre Komplextherapie“ derzeit zwischen 200 und 300 Euro kostet. Das wären beim üblichen dreiwöchigem Programm ca. 4000 bis 6000 Euro, was das GBV wesentlich teurer als konventionelle Behandlungen macht. (Ergänzung: Einem Schreiben eines Rechtsanwalts der Klinik ist zu entnehmen, dass das dreiwöchige GBV über 5000 Euro kostet.)

 

b) Das GBV bzw. die „Multimodale-3-Phasen-Therapie“ dürfte für die meisten Säuglinge, Kleinkinder und Mütter psychisch sehr oder sogar extrem belastend gewesen sein. Vor allem die rabiaten Trennungen bei Tag und in der Nacht könnten in vielen Fällen Kinder und Mütter nicht nur kurz-, sondern auch langfristig geschädigt haben. Beim ideologisch bedingten weitgehenden Versagen von Salben und pflegerischen Maßnahmen zur Behandlung von ND könnte es sich um unterlassene Hilfeleistung handeln.

 

c) Die dramatische Umstellung der Ernährung dürfte Mütter und Kinder auch zuhause erheblich belasten. Störungen der kindlichen Entwicklungen sind zumindest möglich. Prof. Peter Höger hat 2005 laut SPIEGEL erklärt, er habe Kinder behandelt, "die als Folge dieser Diät unterernährt und in ihrer Entwicklung deutlich zurückgeblieben waren": https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39613469.html. In den mir bisher bekannten drei Studien der Klinik zum Verlauf der ND fehlen Angaben zu Größe und Gewicht der Kinder.

 

Nutzen des GBVs

Dazu heißt es beim Verein AuK:

Seit 30 Jahren nunmehr behandelt ein multiprofessionelles Team auf der psychosomatischen Station die Betroffenen – mit grandiosen Erfolgen!“

https://web.archive.org/web/20180828015526/http://bundesverband-allergie.de/behandlung/  

Die Selbstheilung dauert im Schnitt ein bis anderthalb Jahre.“

https://web.archive.org/web/20181026071144/https://www.allergie-und-umweltkrankes-kind.de/neurodermitis-asthma-allergien-ade/  

 

Während Stemmann vorgab, die ND heilen zu können, und Lion noch 2016 öffentlich behauptete, die ND sei heilbar, schrieb der SPIEGEL schon 2005 über den „Galilei aus Gelsenkirchen“: `"Bei 70 Prozent der Kinder verschwinden die Symptome bis zum dritten Lebensjahr von selbst", erklärt Peter Höger, "wir nennen das Spontanremission."`

 

Stemmann und Stemmann (2002) berichten in ihrem Buch „Selbstheilung (Spontanheilung) der Neurodermitis. Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren“ auf den Seiten 265-272 über zwei Studien der Kinderklinik, die angeblich die hohe Effizienz der Behandlung belegen. Diese hausgemachten Studien wurden von Stemmann, Starzmann und Langer zuerst im AuK-Brief 5/2000 „veröffentlicht“: „Wirksamkeit der Behandlung der Neurodermitis nach Prof. Dr. E.A. Stemmann.“ http://web.archive.org/web/20030323174609/http://www.kinderklinik-ge.de/Schriften/Behandlungserfolg.pdf 

 

Studie 1: Starzmann hatte 1997 ein Jahr nach dem Klinikaufenthalt die Eltern von 42 Kindern befragt und 35 Antworten erhalten.

 70% der Befragten beurteilen den Erfolg ihrer Bemühungen als sehr gut bis gut, s. Abb. 1. … Die Anzahl von Schüben nimmt insgesamt deutlich ab. … Nur von zwei Eltern wird nach einem Jahr noch ein häufiges Kratzen ihres Kindes angegeben.“

 

Studie 2 wird als „Langer, Dissertation, im Druck“ vorgestellt, eine solche Dissertation scheint es aber bis heute nicht zu geben. Möglicherweise ist eine eingereichte Dissertation mangels Wissenschaftlichkeit nicht angenommen worden. Zu 40 Kindern gab es ein Jahr nach dem Klinikaufenthalt (1999) 38 Antworten.

Der Zustand der Haut wurde in 87% als gebessert angegeben, …

 

Beide „prospektiven“ Studien sind wissenschaftlich unterste Schublade. Das Durchschnittsalter betrug in Studie 1 zehn Monate. Auch in Studie 2 waren die Kinder nur sechs Monate bis vier Jahre alt. Bei den angeblichen Therapieerfolgen dürfte es sich um Spontanremissionen, therapieunabhängige Selektionseffekte (die Therapie wird meistens dann begonnen, wenn es dem Kind besonders schlecht geht), Effekte der Umstellung der Ernährung und Dankbarkeitseffekte handeln. Eltern, die nicht antworteten, dürften eher schlechte Erfahrungen gemacht haben als „Responder“. Die Ernährungsumstellung dürfte bei den meisten Kindern gar nicht nötig gewesen sein und viele Kinder und deren Familien unnötig belastet haben. Ein derartige Vorgehensweise ist ärztlich nicht zu verantworten. Es gab keine unabhängige, „blinde“ ärztliche Diagnostik und vor allem keine Vergleichsgruppe.

 

Beide Untersuchungen wurden von Mitarbeitern der Klinik durchgeführt, ausgewertet und „veröffentlicht“, die ein Interesse daran hatten, das GBV gut aussehen zu lassen. Ein an der Klinik tätiger Mitarbeiter (ich selbst), der durch Promotion, Habilitation, Lehrstuhlvertretungen und viele internationale Kongressvorträge und Publikationen im Bereich der psychoimmunologischen und psychosomatischen Forschung ausgewiesen war, wurde von der Mitarbeit an diesen Studien ausgeschlossen bzw. über deren Planung nicht informiert. Da ich bei der Auswertung von Daten des „Schwelmer Modells“ geholfen habe und eine Dissertation zur dortigen ND-Behandlung betreut habe, hatte ich sogar einschlägige Erfahrungen.

 

Schon allein Stemmanns Bestätigung der Richtigkeit der Lehre Hamers (1992) und sein Bericht über diese beiden Studien zeigen, dass der ärztliche Leiter der Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen zum Teil außerhalb wissenschaftlicher Standards unterwegs war.

 

Studie 3 der Kinderklinik (Lion, Langer, Stemmann, Holling; päd 17, 2011, S. 196-202) belegt ebenfalls nicht, dass Kinder durch das GBV geheilt wurden oder ihre Haut sich stärker gebessert hat als bei Kindern die leitliniengerecht behandelt wurden. Warum? Weil es wieder keine konventionell behandelte Vergleichsgruppe gab.

 

Der SCORAD (Schweregrad der ND, unter 25: leicht, 25-60: mittelschwer, über 60: schwer) betrug bei Therapiebeginn im Mittel 44.5, nach einem Jahr 26.5. Wie viele Kinder nach einem Jahr symptomfrei waren, wird nicht mitgeteilt.

 Insgesamt zeigt diese Studie die Wirksamkeit konsequent angewandter verhaltens- und familientherapeutischer Interventionen im stationären Setting mit einer nachstationären Unterstützungsphase und belegt damit die Bedeutung psychosomatischer Behandlungsansätze bei chronischen Erkrankungen wie der Neurodermitis.“  

Nein, mit dieser Studie haben Lion, Langer und Stemmann gezeigt, dass sie nicht Willens oder nicht in der Lage sind, eine wissenschaftlich vertretbare Therapiestudie zu planen.

 

Es wurden nur 15 Kinder untersucht, deren Eltern bereit waren, nach einem Jahr erneut mit ihren Kindern nach Gelsenkirchen zu reisen. Nach welchen weiteren Kriterien diese Kinder ausgesucht wurden, wird nicht mitgeteilt. Gegenüber der Ärztekammer Westfalen-Lippe hat Dr. Lion behauptet, es handelte sich um eine externe Evaluation durch die Universität Münster. Daran habe ich Zweifel: www.reimbibel.de/GBV- Prof-Heinz-Holling-als-Koautor-und-Helfer.pdf . Dr. Lion hat mir jedoch in einem Abmahnschreiben mitgeteilt, Prof. Holling sei nicht nur an der Auswertung, sondern auch an der Planung und Durchführung der Studie beteiligt gewesen. Aber selbst wenn dies stimmen sollte: die Studie ist methodisch unzureichend, und die dazu gehörige Veröffentlichung mangelhaft.

 

Der finanzielle und psychische Schaden, den das GBV alias die „Multimodale-3-Phasen-Therapie“ alias „Stationäre Komplextherapie“ bei der pseudo- medizinischen, d.h. medizinisch nicht indizierten „Behandlung“ von Säuglingen und Kleinkindern mit Asthma oder Neurodermitis in den letzten 30 Jahren verursacht hat und weiterhin verursacht, ist offensichtlich gewaltig. Der Nutzen des GBVs bei Asthma und ND wurde vielfach beschworen, aber wissenschaftlich nie nachgewiesen. Ab 2016 hat die Klinik sogar behauptet, es würden mindestens 87% der Kinder mit Asthma, Neurodermitis, Allergien geheilt.

 

Seit etwa 30 Jahren führen Stemmann et al. Eltern, Krankenkassen, Journalisten, Politiker und Behörden an der Nase herum. Stemmann hätte spätestens vor 25 Jahren beweisen müssen, dass das sehr teure und sehr belastende GBV bei Kindern mit Asthma oder Neurodermitis gerechtfertigt ist, weil es wesentlich bessere Therapieerfolge erzielt als die üblichen Behandlungsverfahren. Dazu hätte eine unabhängige Forschungsgruppe Verlaufsdaten parallel in der Kinderklinik und bei niedergelassenen Kinderärzten erheben müssen. Das wäre schon im Rahmen einer Dissertation möglich gewesen. Dies ist bisher aber nicht geschehen.

 

Meines Erachtens haben Stemmann, Langer und Lion bei der Behandlung von Asthma und ND bisher große PR-Erfolge, aber keine beachtenswerten Therapieerfolge erzielt.

Der Verein AuK hat vermutlich nicht vorsätzlich, aber fahrlässig und gut begründete Kritik ignorierend wesentlich zum Gelsenkirchener Klinikskandal beigetragen. Zu diesem Skandal gehört auch die Unterstützung der "Germanischen Neuen Medizin“ von Hamer durch die Verbreitung von Thesen dieses irrsinnigen und gemeingefährlichen Krebsscharlatans und das komplette Versagen von zuständigen staatlichen und medizinischen Institutionen, die ihnen bekannte Kritik am GBV bzw. der „statioären Komplextherapie von Langer und Lion ignoriert haben. Eine rühmliches Ausnahme davon stellt ein 2020 erstelltes Gutachten für den Medizinischen Dienst der Krankenkassen in Berlin und Brandenburg dar: www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik.de/MDKBB-GA.pdf oder .htm.

 

Meine ausführliche Chronik des Gelsenkirchener Klinikskandals, die ich auch den Mitgliedern von AuK empfehle, ist hier einzusehen:

www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik.de oder www.kinderklinik-gelsenkirchen-kritik.de/Chronik.pdf .