Wolfgang Klosterhalfen

Reimbibel

Heitere Aufklärung über das „Buch der Bücher“

BoD, Oktober 2011, 324 S., 19.90 €

www.reimbibel.de

 

 

Das Buch Hiob wird in der Reimbibel

in Form einer Ballade wiedergegeben.

 

Auszüge aus dieser Ballade:

 

 

Gott und der Satan quälen den braven Hiob

(Das Buch Hiob, Kap. 1-42)

 

Herr Hiob lebte einwandfrei,

kein Baalim, keine Hurerei.

Sein Schöpfer war drum richtig stolz:

„Der Hiob ist aus gutem Holz“.

 

(Doch mancher Mensch ist so brav nicht,

was für die Macht des Teufels spricht.)

Der Satan nebst viel Prominenz

war grad beim Herrn zur Audienz.

 

Satan:

„Mal seh’n, ob er dich noch verehrt,

wenn du dich von ihm abgekehrt.

Bisher lebt er ja unbeschwert,

das wäre doch ´nen Test mal wert“.

 

Gott:

„Ob Hiobs Glaube auch noch stimmt,

wenn man ihm Kind und Kegel nimmt?

Doch taste Hiob selbst nicht an,

das ist in Phase zwei erst dran.“

 

Dem Beelzebuben war das recht,

erschlagen ward des Hiobs Knecht.

Vorbei des Herren große Gunst

und weitre holt die Feuersbrunst.

 

Und diese Nachricht, eine schlechte:

„Chaldäer schlugen deine Knechte.“

Und dann: „Ein großer Wüstenwind

nahm dir soeben jedes Kind.“

 

Nichts ahnend von dem Teufelspakt,

sprach Hiob: „Seht, ich kam ganz nackt,

und nackt werd ich auch wieder geh’n.

Was ER tut, das ist angenehm.

 

Was ER gab, hat er nun genommen,

was ER tut, ist mir stets willkommen.

Drum lobe ich des Herren Namen.

Gepriesen sei er ewig. Amen.“

 

xxx

 

Doch später dann, von Schmerz benommen:

„Was ich gefürchtet, ist gekommen.

Ich bin von Kummer ganz gebeugt,

warum ward ich nur je gezeugt?“

 

xxx

 

Und Hiob sprach: „Es ist sein Willen,

des Herren Zorn kann niemand stillen.

Den Herrn bringt niemand vor Gericht,

weil ER allein das Urteil spricht.

 

Und wüsche ich mich auch mit Lauge,

dass ich vor IHM dann besser tauge,

so achtet ER nicht meiner Not

und taucht mich tiefer in den Kot.

 

Gefällt’s ihm, dass er mich zerstört,

mein Flehen, Bitten nicht erhört?

Gefällt’s ihm, der einst mich gemacht,

dass ER im Elend mich verlacht?

 

Warum gebar mich denn ein Weib,

warum verließ ich ihren Leib?

Warum will ER mich nun verderben,

warum lässt ER mich dann nicht sterben?“

 

xxx

 

Und Hiob sprach: „Ich bin voll Wut,

weil ER mir solches Unrecht tut.

Ihr habt mich zehnmal schon verhöhnt,

daran hab ich mich jetzt gewöhnt.

 

Ich schrei und werde nicht gehört,

weil Gott mein Leiden gar nicht stört.

Ich habe ganz umsonst geweint,

denn ER hält mich für seinen Feind.

 

Ich rieche eklig aus dem Mund

und bin am ganzen Leib schon wund.

Ich weiß jedoch, dass ER noch lebt

und über mir als Wolke schwebt.“

 

xxx

 

Doch Hiob, dieser alte Schwede,

begann die sechste Gegenrede:

„Wer gottlos ist, dem wird gegeben

Gesundheit und ein langes Leben.

 

So hört doch, was der Wandrer spricht,

der Herr bestraft ihn trotzdem nicht.

Viel Kinder hat er und auch Vieh

und preiset doch den Herren nie.“

 

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Doch Hiob war noch lang nicht still:

„Der Herr macht einfach, was er will.

Die Armen kriechen rum im Dreck,

man nimmt den Waisen Esel weg.

 

Die Armen müssen immer weichen,

die Ernte holen sich die Reichen.

Sie müssen ihren Tag verfluchen,

im Wüstensande Nahrung suchen.“

 

xxx

 

Der alles aus der Taufe hob,

er sparte nicht mit Eigenlob:

„Ihr Menschlein seid nur kleine Lichter,

und ich allein bin hier der Richter!“

 

Das hat den Hiob überzeugt,

weshalb er sich ganz tief verbeugt:

„Du sollst mich nur noch reuig sehen,

in Staub und Asche will ich gehen.“

 

Und weil der Hiob nun bereut,

hat sich der Herrgott sehr gefreut.

Kamele, Esel und auch Schafe,

der Hiob kriegt es jetzt im Schlafe.

 

Dazu noch einmal tausend Rinder

und jede Menge schöner Kinder.

Er starb dann alt und lebenssatt,

weil’s so dem Herrn gefallen hat.

 

Und die Moral von der Geschicht:

beschwere dich bei Jahwe nicht.

Als Hiob über Plagen klagt,

der Herr im Grunde dieses sagt:

 

„Warum´s die gibt, verrat ich nicht,

ich stell mich keinem Menschgericht.

Der Herrgott waltet wie er will,

wer sterblich ist, der schweige still.“

 

Auch Gute treffen Gottes Plagen.

Das ist nicht fair, ums mild  zu sagen.

Ansonsten lautet der Befund:

mit Satan war Gott hier im Bund.

 

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