Wolfgang Klosterhalfen

O Gott: die Bibel!

Bibelgeschichten in Form von Gedichten (Version 7 der Reimbibel)

BoD, März 2013, 308 S., 19.90 €, Kindle: 9.99 €

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www.reimbibel.de

 

 

Das folgende Interview erschien in der Online-Zeitung www.nrhz.de am 1.9.2009

 

Auslöser war der Besuch von Benedikt XVI. in Auschwitz-Birkenau
Interview mit dem Autor der „Reimbibel“

Von Peter Kleinert

NRhZ-LeserInnen, die von Anfang an „dabei“ sind, werden sich erinnern, dass wir bereits in Ausgabe Nummer 2 anlässlich des „Weltjugendtages“ vor vier Jahren in einer Filmserie und einigen Artikeln den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner vorgestellt haben. Nun haben wir Professor Wolfgang Klosterhalfen und seine vor ein paar Wochen erschienene „Reimbibel – Die schreckliche Schrift in Reimen und Versen“ entdeckt. Da dieses hochinteressante und gleichzeitig ausgesprochen unterhaltsame Buch in den üblichen Medien nicht erwähnt wird, beginnen wir in dieser Ausgabe mit einer Serie. Dazu hier als Einführung ein Interview mit dem Autor. – Die Redaktion


Peter Kleinert: Sie sind, wie man dem Cover Ihres Buches entnehmen kann, kein Dichter oder Kabarettist, sondern Medizin-Psychologe, und ich vermute mal, Sie sind 1945 nach Ihrer Geburt auch getauft worden. Haben Sie jemals an Gott geglaubt?
 
Wolfgang Klosterhalfen: Ich bin sogar konfirmiert worden und habe damals meinem Pfarrer, den ich sehr mochte, jedes Wort geglaubt. Allerdings erinnere ich mich noch gut daran, dass ich beim sogenannten Abendmahl sehr enttäuscht war, als ich merkte, dass sich psychisch rein gar nichts in mir ereignete. Nach all der Vorbereitung auf diesen Augenblick hatte ich wohl so etwas wie einen frommen Schauder erwartet. Diese Ent-Täuschung beim rituellen Kannibalismus war anscheinend der Anfang vom Ende meines Glaubens. Meine Eltern waren nach zwei Weltkriegen schon weitgehend vom Glauben abgefallen und hatten sich als Besitzer einer Apotheke nur sozial angepasst. Sie haben - von einer rigiden Sexualmoral abgesehen - ansonsten keinen religiösen Druck auf mich ausgeübt. Nach der Konfirmation bin ich kaum noch zu sogenannten Gottesdiensten gegangen und habe mich - wie so viele andere auch - sehr für das Diesseits aber wenig für religiösen Hokuspokus (hoc est corpus) interessiert.
 
Peter Kleinert: Es gibt ja in der katholischen Kirche nicht nur Leute wie den aktuellen Papst und seine Vorgänger, von denen einige sogar den Faschisten an die Macht geholfen haben, sondern auch solche wie Abbé Pierre, ein weltweit bekannter französischer Priester, der in der Résistance jüdischen Flüchtlingen half und die Wohltätigkeitsorganisation “Emmaus“ gründete. Die sahen und sehen in der Bibel auch „die Heilige Schrift“, ähnlich wie die gläubigen Muslime den Koran einschätzen. Was hat Sie dazu gebracht, die Bibel so intensiv zu lesen und auseinanderzunehmen?
 
Wolfgang Klosterhalfen: Weder Theismus noch der sogenannte Atheismus (der ja keine ausgearbeitete Ideologie darstellt) schließen soziales Engagement aus. Leider auch nicht Mobbing, Ausbeutung, Krieg und Gräueltaten. Gläubige sind oft der Auffassung, ihr prosoziales Verhalten komme aus ihrem Glauben. Ich vermute, dass die Ursachen tiefer liegen und deshalb auch unabhängig vom jeweiligen Glauben oder Unglauben das Verhalten bestimmen. Beispielsweise hat der Vater von Abbé Pierre nicht nur vorgebetet, sondern seinem Sohn auch humanes Verhalten vorgelebt. Und nicht zuletzt haben auch Empathie und Altruismus eine genetische Basis.

Wichtiger als was Menschen glauben oder nicht glauben ist mir, wie sie sich im Allgemeinen sowie in schwierigen Situationen konkret gegenüber Mensch und Tier verhalten.
 
Vor drei Jahren hatte ich noch nicht die geringste Ahnung davon, dass ich mal eine Reimbibel schreiben würde. Es sind verschiedene Faktoren zusammengekommen: weiter fortschreitende Säkularisierung, der 11. September und eine Vorlesungsreihe von Robert Gernhardt an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Ende 2005 seine Zuhörerschaft mit vielen Beispielen und theoretischen Erörterungen für gereimte Gedichte begeisterte.
 
Der entscheidende Auslöser war aber, dass der Vorsitzende eines kapitalstarken, weltweit agierenden Kirchenkonzerns mit etwa einer Milliarde Kunden, der vom deutschen Staat jährlich mit einigen Milliarden Euro subventioniert wird, im Mai 2006 in Auschwitz-Birkenau behauptet hat, „eine Schar von Verbrechern“ habe das deutsche Volk „gebraucht und mißbraucht“. Diese skandalöse „Entnazifizierung“ von Volk und Kirche und der verlogene Slogan „deus caritas est“ haben zu „Josephs Legenden“, meinem ersten antiklerikalen Gedicht geführt, das im Laufe der Zeit immer länger wurde.

In diesem Zusammenhang fing ich an, die Bibel zu lesen und war entsetzt über deren grauenvolle Inhalte und über die Diskrepanz zwischen dem was dort steht und dem was von Berufschristen gepredigt wird.
 
Von den Deutschen ab 16 Jahren lesen nur vier Prozent häufig in der Bibel. Ich möchte daher mit meiner Reimbibel dazu beitragen, dass mehr Menschen zur Kenntnis nehmen, was tatsächlich in der Bibel steht, und wie umfangreich und gut begründet die Kritik an Bibel, christlichem Glauben und Kirche ist.

Peter Kleinert: Wie schätzen Sie denn "Jesu Bergpredigt" ein, mit der Sie sich ja ab Seite 209 befassen? Egal ob dieser Text von einem Messias stammt oder nicht, er wird ja von vielen, auch Ungläubigen, als ein Werk angesehen, das ein friedliches Miteinander propagiert - einige exegetische Ansätze sehen in ihr gar Ideen, die den Sozialismus längst vorwegnehmen.
 
Wolfgang Klosterhalfen: Abgesehen davon, dass man mit Appellen in der Regel wenig erreicht, sind die meisten Aussagen Jesu kaum geeignet, das menschliche Zusammenleben zu verbessern. Beispiele: Die Armen und Verfolgten werden auf das Jenseits vertröstet. Wie schön für Verbrecher aller Arten, denen man laut Jesus die andere Wange hinhalten, die man sogar lieben soll! Da haben die Juden im Warschauer Ghetto wohl was falsch gemacht. Finanzielle Bitten anderer sollen erfüllt werden. Sehr praktisch! „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben.“ Aha, das AT soll weiter gelten! „Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ Klingt nicht nach Nächstenliebe! Wer zu seinem Bruder sagt: „Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.“ Strafe muss sein! Ehebrecher ist bereits, wer eine Frau lüstern ansieht. Treue im Verhalten reicht nicht, man soll vollkommen sein wie Gott! Man soll beten: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Ein merkwürdiger Gott, der das tut! Man soll sich nicht um Nahrung, Wasser und Kleidung sorgen. So ein Blödsinn! Leere Versprechungen: man wird finden, empfangen, eingelassen werden. Nur wenige werden das Tor zum Leben finden. Sehr tröstlich! „Jeder Baum, der keine guten Früchte hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.“ Wer viele Ketzer auf einmal verbrennt spart Holz!
Ceterum censeo: Christen sollten vorm Verwesen mal die ganze Bibel lesen! Und sich eher an Mahatma Gandhi orientieren.
 
Peter Kleinert: Gab es unter den “Reimbibeln“ Ihrer Vorgänger eigentlich auch so kritische und gleichzeitig vergnüglich zu lesende Werke wie Ihres?
 
Wolfgang Klosterhalfen: Am bekanntesten ist die Mittelfränkische Reimbibel, die etwa im Jahr 1150 erschien. Von ihr existieren aber nur noch Fragmente. Damals war es natürlich nicht möglich, sich über die Bibel und die Kirche lustig zu machen, ohne anschließend drakonisch bestraft zu werden. Nach dem Mittelalter sind wohl keine Reimbibeln mehr erschienen. Die Theologen werden wissen, warum sie nur noch ausgewählte Fabeln verreimt haben.
 
Peter Kleinert: Was stört Sie besonders am heutigen Christentum?
 
Wolfgang Klosterhalfen:
- Die religiöse Gehirnwäsche (mit Drohungen, Versprechungen, ständigen Wiederholungen von Behauptungen) bei wehrlosen Kindern und bei Jugendlichen durch Autoritäts- und Vertrauenspersonen.
- Die damit verbundene Gewöhnung, nicht bewiesene und nicht nachprüfbare Behauptungen als Wahrheiten zu akzeptieren. Religion ist die Mutter aller Esoterik.
- Die gerade in letzter Zeit in vielen Variationen geäußerte unverschämte Behauptung, Ungläubige seien moralisch minderwertig: z.B. „Moral braucht Gott“, „Der Humanismus, der Gott ausschließt, ist ein unmenschlicher Humanismus.“ (Enzyklika „Caritas et Veritate“, 29.7.2009)
- Die Verlogenheit der Kirchen im Umgang mit der Bibel.
- Vortäuschen von Frömmigkeit; Kontrolle des Arbeitsmarkts im sozialen Bereich; Etikettenschwindel bei kirchlichen Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Caritas, Diakonie und Misereor, die nur zu einem geringen Teil aus Kirchensteuern finanziert werden.
- Der Klerus traktiert fast 2000 Jahre nach Erfindung des Christentums und trotz europäischer Aufklärung immer noch die Menschheit mit einem besonders widerwärtigen elaborierten Wahnsystem. Berechtigte Kritik wird wegtheologisiert.
- Studierte „Ebenbilder Gottes“ vermitteln weniger versierten „Ebenbildern Gottes“ gegen erhebliche Gebühren Logenplätze im Himmel.
- Kindern und Jugendlichen wird in den meisten Ländern dieser Erde - zum Teil auch noch in Deutschland - mit der Hölle gedroht.
- Last not least: Die äußerst umfangreiche, äußerst fürchterliche und weitgehend von den Kirchen, Schulen und Medien totgeschwiegene „Kriminalgeschichte des Christentums“, wie Karlheinz Deschner ja auch sein inzwischen neun Bände umfassendes Werk genannt hat. Beispielsweise habe ich zum 70. Jahrestag des Überfalls auf Polen (1.9.1939) noch kein kirchenkritisches Wort vernommen. Auch nicht in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL, dessen Titelgeschichte dem 2. Weltkrieg gewidmet ist.
 
Peter Kleinert: Warum haben Sie Ihr Buch eigentlich nicht in einem “richtigen“ Verlag herausgeben lassen, sondern bei Books on Demand? Hat sich da kein Verleger rangetraut? Oder haben Sie es gar nicht erst versucht?
 
Wolfgang Klosterhalfen: Ein kleiner kirchenkritischer Verlag hat vor längerer Zeit auf der Basis meiner Rohfassung der Bücher Mose abgelehnt; der Blessing-Verlag, der den „Gotteswahn“ von Dawkins herausgebracht hat, hat mir nicht geantwortet. Da ich weder prominent bin noch einschlägige Beziehungen habe, werde ich nicht weiter antichambrieren, sondern abwarten und Tee trinken. BoD hat für mich den großen Vorteil, dass ich jederzeit mein Buch überarbeiten kann. Eine neue „Auflage“ benötigt ca. zwei Wochen und kostet mich nur 39 Euro.
 
Angesichts der Macht der Kirchen über den größten Teil der Medien würde ich es keinem Verlag verübeln, wenn er sich nicht traute, antiklerikale Schriften ins Programm aufzunehmen. Für kleine Verlage könnte das evtl. tödlich sein. BoD hat wegen seiner Verdienste um die Meinungsfreiheit, um die es (auch) in Deutschland nicht gut bestellt ist, noch viele Preise verdient.
 
Peter Kleinert: Kirchenkritiker wie der ehemalige Katholik Karlheinz Deschner, den Sie gelegentlich in Ihrem Buch zitieren, sind für ihre Haltung von der Kirche massiv aber ohne Erfolg unter Druck gesetzt worden. Haben Sie inzwischen auch schon solche Erfahrungen gemacht?
 
Wolfgang Klosterhalfen: Nein. Es wäre auch unklug von den Kirchen, mich anzugreifen, bevor mein Buch überhaupt einigermaßen bekannt geworden ist. Aber ich werde mal zur heiligen Zensursula beten, dass sie etwas gegen mein Buch unternimmt. Ihr Ministerium hat sich ja schon um das Ferkelbuch verdient gemacht.
 
Herrn Deschner bewundere ich natürlich. Da man ihm argumentativ so gut wie nichts entgegen zu setzen hat, wird er - wie mir mein entsprechender Google-Alert anzeigt - in den Medien fast völlig totgeschwiegen.
 
Peter Kleinert: Als Sie Ihr Buch schrieben, welche Zielgruppe hatten Sie dabei im Auge, und wie sind deren Reaktionen?
 
Zunächst habe ich einfach drauflos geschrieben. Und seine Leserschaft kann man sich ja sowieso kaum aussuchen. Besonders interessiert bin ich natürlich an Jugendlichen.

Möglicherweise werden die aber meine Reime für „uncool“ halten. Ich gebe mich jedoch der Hoffnung hin, dass es unter den Religionslehrer/inne/n viele vernünftige Menschen gibt, die gegenüber Bibel- und Kirchenkritik aufgeschlossen sind oder die zumindest erkennen, dass man die Reimbibel gut im Unterricht einsetzen kann. Ein Schüler könnte z.B. meine Hiob-Ballade oder die „Offenbarung des Johannes“ vortragen, und dann diskutieren alle auf der Basis des gerade Gehörten, was sich der „liebe“ Gott da wohl gedacht hat. Zwei Freunde von mir haben kürzlich zwei Religionslehrern sowie einem prominenten Katholiken meine Bibel geschenkt. Auf deren Reaktionen bin ich sehr gespannt.
 
Bis jetzt habe ich nur Rückmeldung von etwa zwanzig antiklerikal eingestellten Leser/inne/n. Alle sind begeistert. Besonders gefreut habe ich mich über die ersten beiden Kritiken bei Amazon.
 
Da ich die meisten Bibelgeschichten einfach nur nacherzähle, sollte die Reimbibel auch für Christ/inn/en interessant sein. Denen ist die „echte“ Bibel ja meist so heilig, dass sie sie nicht anfassen. Meine etwas andere Bibel kann ich jedem Christen empfehlen. Sie ist nämlich besser editiert und liest sich leichter als das „Original“. Und wer wissen möchte, was Ungläubige am Christentum auszusetzen haben, erfährt auch viel. (PK)

 
Wolfgang Klosterhalfen hat in Tübingen, Düsseldorf, Nijmegen und Honolulu Psychologie studiert. 1971 Diplom, 1977 Promotion zum Dr. rer. nat., 1986 Habilitation für das Fach Medizinische Psychologie, 1992 Außerplanmäßiger Professor. Zahlreiche Veröffentlichungen in englischsprachigen Fachzeitschriften zu Lerntheorien und zur psychosomatischen Grundlagenforschung, besonders zur „Psychoimmunologie“. Seit 1968 der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als Student, dann als Angestellter und später als Apl. Professor verbunden, musste Klosterhalfen 1991 zur Städtischen Kinderklinik Gelsenkirchen wechseln, weil seine Stelle an der HHU zeitlich befristet war.
Ab April 2004 arbeitslos, ist Klosterhalfen seit Ende 2006 Frührentner. Nach kritischen Internetpublikationen über die "Germanische Neue Medizin“ und seinen Klinikchef widmet sich Klosterhalfen seit etwa drei Jahren der Bibel- und Kirchenkritik.
Prof. Klosterhalfen war mit der Diplom-Psychologin Dr. Sibylle Klosterhalfen verheiratet und hat aus dieser Ehe einen Sohn, der sich als Vizepräsident der „Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt“ erfolgreich für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von „Nutztieren“ einsetzt (http://albert-schweitzer-stiftung.de/).

 

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