Wolfgang Klosterhalfen
Reimbibel
Heitere Aufklärung über das „Buch der Bücher“
BoD, Oktober 2011, 324 S., 19.90 €
Josephs Legenden
(Wolfgang Klosterhalfen)
Einst Chef der Glaubensperversion,
dient Joseph nun als Papst in Rom.
Ein Mann von hohem Intellekt,
den er jedoch sehr oft versteckt.
”Der Herrgott neigt nicht zur
Gewalt!”
Ein leicht umstritt’ner Sachverhalt.
Ich rat dem Papst, vor solchen
Thesen
die Bibel mal von vorn zu lesen.
Zum Beispiel neigt der Herr zur Wut,
dann gibt’s schon mal ’ne kleine
Flut.
Der gottverstockte Pharao,
ward nie mehr seines Lebens froh.
Und immer wieder: Völkermord,
des Herren liebster Freizeitsport.
Was Er sodann mit Hiob trieb,
war auch nicht wirklich
menschenlieb.
”Die Nazis haben uns verführt!”,
sprach Ratz in Auschwitz tief
gerührt.
Der Heil’ge Vater hat Format
und quatscht nicht blöd vom
Konkordat.
”Nicht ganz so gut wie Christen
sind Allahs Islamisten!”
Nach dieser kleinen Ferkelei
flog Joseph flugs in die Türkei,
wo er keck “Allah akbar” rief.
Dann lächelte er etwas schief.
Danach prüft´ er, zurück in Rom:
„Wie halten wir’s mit dem Kondom?
Das rettet zwar manch Leben,
doch fördert es das Streben
nach Fleisch- und Sinneslust,
was schmerzlich uns bewusst.“
Drum macht Jupp Propaganda
vom Nordpol bis Ruanda:
”Beherrschet eure Körperlust,
ein frommer Christ genießt den
Frust.
Zwar Jesus ging beim Weibe ein,
doch nahm er je Pariser? Nein!
Er war dagegen ziemlich strikt,
sonst gäb’s davon ja ein Relikt.”
So ward gelöst der Fickkonflikt
durch das Verdikt des Benedikt.
Und jubelnd singt der Engel Chor:
”Der Alois, der hat Humor.”
Das päpstliche Kondomverbot
bringt vielen Menschen Not und Tod.
Aids rottet halbe Völker aus,
macht Afrika zum Waisenhaus.
Sein nächstes großes Reiseziel
war dann das schöne Land Brasil.
„Wir haben mit der Welt Erbarmen,
vor allem mit den armen Armen.
Doch bitte keine Übereilung,
bewährt hat sich die
Landverteilung.“
Dann wünschte er noch Höllenqualen
den bösen Evangelikalen.
Den Indianern schenkt er Trost,
was diese aber sehr erbost:
„Das Christentum ward ausgedehnt
auf Menschen, die das still
ersehnt.“
Millionen wurden ausgerottet,
weil sie nicht Gott den Herrn
vergottet.
Zu retten der Indianer Seelen,
versuchte man´s mit Mord und Quälen.
Die Pius-Brüder hat er lieb,
nachdem man sie zuerst vertrieb.
Die werden doch nicht etwas wissen,
was Ratz nicht dient als Ruhekissen?
Und auch beim Thema Zölibat
der Chef ‘ne klare Meinung hat:
„Wo Priester sich davon befrei’n,
da kann die Kirche nicht gedeih’n.“
Der Papst neigt nicht zu
Sinneswandel,
in Köln gab´s sogar Ablasshandel.
Auch hält er viel von Exorzisten,
das freut so manchen frommen
Christen.
Bleibt noch, die Juden zu bekehren,
damit den Heiland sie verehren.
Die Juden weigern sich indessen,
den Leib des Herren aufzuessen.
Die Pädokriminalität
bekämpfte Joseph eher spät.
Von Missbrauch wusste er zwar viel,
doch Transparenz ist nicht sein
Stil.
Sein Auftritt vor dem Bundestag:
ein unverdienter Ritterschlag.
Dort hat er wirklich nichts
verloren,
wir brauchen keine Diktatoren.
Der Joseph ist kein Demokrat,
weil er ´nen Draht zum Himmel hat.
Von dort bekommt er Instruktionen,
er sollte uns damit verschonen.
Noch schlimmer als der schlimmste
Christ
ist für den Papst der Atheist.
Befreit vom Weihrauchkirchenmief,
sinkt solch ein Mensch moralisch
tief.
Da er nicht an die Hölle glaubt,
er Mord und Totschlag sich erlaubt.
Am liebsten überfällt er Polen,
und was er hat, ist meist gestohlen.
Der Chef der Glaubensdiktatur
sorgt sich ums Wohl der Kirche nur.
Von Fettnapf er zu Fettnapf springt,
was hoffentlich noch oft gelingt.