Hubertus Mynarek: Papst Franziskus: Die kritische Biografie

Tectum-Verlag, August 2015, 336 Seiten, 19.95€

 

Dieses Buch hat mich in meinem Eindruck bestärkt, dass Jorge Mario Bergoglio ein erzkonservativer, theologisch, politisch und intellektuell unbedeutender Papst ist, der nach anfangs sympathischem Auftreten zum Schießen von Eigentoren übergegangen ist, und unter dessen weißer Soutane sich der eine oder andere Fleck befinden könnte.

 

Dass ich das Werk nur in kleinen Happen lesen konnte, liegt nicht am kompetenten Autor, sondern an meiner Abneigung, mich mit all dem Unsinn, um den es hier geht, überhaupt noch zu beschäftigen. Es wird aber wohl so schnell keine bessere Biografie geben. Und der aktuell >größte Scheinheilige< (Mynarek) ist ja immerhin der Hirte von 1.2 Milliarden katholischen Schäfchen.

 

Als Papst ist man zwangsläufig im Show-Business tätig, ob man das mag (wie Franziskus) oder nicht (wie Benedikt XVI.). Zur Show des Franziskus gehört es, locker, bescheiden und volksnah aufzutreten. Mynarek hält das nicht für echt, wobei sein zentraler Vorwurf im Grunde ist, Fr. sei Jesuit. Und Jesuiten seien von Haus aus berechnend. Das Verhalten von Fr. sei vor dem Hintergrund seiner jesuitischen Sozialisation zu verstehen. M. mag mit seinen Behauptungen Recht haben, aber Teil 1 liefert erst mal eine eher indirekte Kritik an Fr., z.B. wenn es um das Liebesleben der betagten Schriftstellerin Luise Rinser geht.

 

Teil 2 widmet sich den religiösen Vorstellungen des neuen Papstes, die offensichtlich sehr schlicht sind.

 

Am besten gefällt mir Teil 3, in dem nach dem konkreten Tun und Unterlassen von Fr. gefragt und eine Sammlung von wohl eher unüberlegten Aussprüchen präsentiert und bewertet wird.

 

Zwei Problembereiche interessieren mich bei Fr. besonders: Sein Verhalten während der Militärdiktatur und in Hinblick auf sexuellen Missbrauch in Argentinien. Ersteres wird von M. angesprochen, aber es gibt einen wichtigen Punkt, den ich vermisst habe.

 

Bergoglio hat sich gemeinsam mit dem Erzbischof von Buenos Aires erfolgreich für die Freilassung von General Videla und anderen Junta-Generälen eingesetzt. (Quelle: Andreas Englisch) Videla kam nach nur fünf Jahren Gefängnis vorübergehend frei. (Später soll Fr. in Rom für eine Delegation von Müttern von Verschwundenen (es gibt etwa 30.000 Vermisste) laut M. nur wenig Zeit gehabt haben.)

 

Die katholische Kirche hat anscheinend in Argentinien noch weniger als in Deutschland zur Aufklärung von Missbrauch und Missbrauchvertuschung beigetragen. Kardinal Bergoglio hat Ende 2002 als Vizepräsident des Exekutivkomitees der argentinischen Bischofskonferenz im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Erzbischofs (!) Storni und der Verhaftung des prominenten Priesters Julio Grassi erklärt, es gäbe eine Kampagne, um das Ansehen der Kirche zu schädigen. Inzwischen sind beide Priester wegen Missbrauchs zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. In dem Wikipedia-Artikel zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche werden im Abschnitt Argentinien nur diese zwei Fälle erwähnt. Von Bemühungen Erzbischof bzw. Kardinal Bergoglios um Aufklärung in seiner Heimat habe ich noch nichts gehört.

 

PS: Auf der Internetseite des Tectum-Verlags findet man unter Religionskritik das Inhaltsverzeichnis und Leseproben:

http://www.tectum-verlag.de/weitere-bereiche/religionskritik/papst-franziskus.html

 

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