Jesu
Zeugung
Ich glaub, man hat
schon lang endeckt,
Maria war stets
unbefleckt:
„Sie war ganz ohne
Sünde,
was ich hiermit
verkünde.“
Papst Pius IX., Bulle vom 8.12.1854
Das Fest der Unbefleckten Empfängnis
wurde 1476 von Papst Sixtus IV. eingeführt: Maria sei ohne Erbsünde geboren
worden. Nebenbei:
Sixtus ernannte 34 Kardinäle, betrieb
ein Bordell, koitierte mit seiner Schwester und seinen Kindern, segnete die
Spanische Inquisition ab.
Maria war des Josefs Braut,
es heißt, sie war ihm schon
vertraut.
Matt 1 (18)
Ich glaub, dass Jesus Superstar
der Sohn von einer Jungfrau war.
Ich glaube, ahne und vermute,
die Mutter Gottes war ´ne Gute.
Matt 1 (23) Luk 1 (26-38)
Ich glaube, Josef war sein Vater,
doch dafür eher wenig tat er.
Der Sepp die Gottesmutter fickte,
nachdem der Herr das Licht erblickte.
Matt 1 (25)
Ich glaub, Gott ist ein Gott der
Liebe,
doch fremd sind ihm gewisse Triebe.
Ich glaub, Gott ist nicht selbst
gekommen,
zumindest sagen das die Frommen.
Ich glaub, es war der Heil’ge Geist,
der manchmal für den Herren reist.
Ich glaub, dass er sie überkam,
und sich dabei diskret benahm.
Ich glaub, er hat sie nicht
begattet,
sie ward von ihm nur überschattet.
Ich glaub, dass er sie nicht mal
küsste,
der Geist kennt keine
Fleischgelüste.
Der Geist war weder
scharf noch wild,
wie man das kennt vom
„Ebenbild“.
Hatte Gott Geschlechtsverkehr?
Kenner zweifeln daran
sehr.
Zwar zeigt Gott sehr
oft Gefühle,
aber dieses
Sex-Gewühle,
dieses Küssen,
Drängen, Gieren,
dies Umschlingen,
Sezernieren,
um die Art zu
propagieren,
würde Gott
desavouieren.
Andre Götter vögeln
rum,
unserm Herr ist das zu
dumm.
Denn ein Gott, der auf
sich hält,
überläßt den Sex der
Welt.
Maria war gebenedeit,
sie war zur
Mutterschaft bereit.
Woher man dieses heute
weiß?
Wer mir das sagt,
bekommt ´nen Preis.
(Vielleicht hat Josef
rumerzählt:
„Maria wurde auserwählt!“)
Der Engel hat sie
nicht gefragt,
doch hat sie schnell
noch ja gesagt.
Dafür wird sie vom
Volk verehrt,
das Volk liegt eben
oft verkehrt.
Luk 1 (35)
Ich glaub, sie liebte Gott den Herrn
und wurde von ihm schwanger gern.
Luk 1 (46-55)
Ob Mary wirklich
Jungfrau war,
als sie den Knaben
einst gebar?
Denn „almah“ heißt nur
„junge Frau“,
´ne Jungfrau „bethula“
genau.
Da „almah“ in der
Quelle steht,
kam es zur Jungfrau
per Dekret.
Die Griechen sagten „parthenos“,
aus der der Heiland
dann entspross.
Dem Markus war wohl
nicht ganz klar,
dass Mary immer Jungfer
war.
Er schrieb zuerst nach
Jesu Tod
und war vermutlich
kein Idiot.
Auch Paulus wusste
nichts davon,
Matthäus zwar, jedoch
nicht John.
Auch Jesus war wohl
selbst nicht klar,
dass seine Mutter Jungfrau
war.
Albertus Magnus und
Aquin
bekämpften die
Virgin-Doktrin.
Die Katholiken glauben
stur:
Marias Leib zum Himmel
fuhr.
Was manchen auf die
Nerven geht,
weil davon in der
Schrift nichts steht.
Die Sache mit der
Jungfernhaut:
von Mithras hat man’s
abgeschaut.
Ganz ähnlich ging’s
beim Pharao,
in Babylon und
anderswo.
Bei jedem großen
Göttersohn
gehörte das zum
Standard schon.
Ich glaube, die Idee
ist gut:
er war von seiner
Eltern Blut.
Er war aus Samen und
aus Ei,
ganz ohne Geist und Zauberei.
„...der griechische Halbgott Perseus
wurde geboren, nachdem Zeus die Jungfrau Danae in Gestalt eines Goldregens
besucht und ge- schwängert hatte. Buddha kam durch eine Öffnung in der Hüfte sei-
ner Mutter zur Welt. Der Aztekengott Huitzilopochtli wurde geboren, nachdem
seine Mutter Coatlicue, ´die mit dem Schlangenrock´, einen kleinen
Daunenfederball aus dem Himmel empfangen hatte. Die Jungfrau Nana pflückte die
Frucht eines Mandelbaums, der aus dem Blut des erschlagenen Urwesens Agdistis
aufgegangen war, legte sie sich in den Schoß und gebar den Gott Attis. Die
jungfräuliche Toch- ter eines Mongolenkönigs erwachte eines Nachts von einem
grellen Licht, das sie umgab, und gebar den Dschingis Khan. Krishna wurde von
der Jungfrau Devaki geboren, Horus von der Jungfrau Isis. Die Jungfrau Maia
gebar Hermes, die Jungfrau Rhea Silvia Romulus.“
Christopher Hitchens:
Der Herr ist kein Hirte
Karl Blessing Verlag, 349 S., 17.95
€, S. 36
Es bleibt des Geistes Vaterschaft
bis heute ziemlich rätselhaft.
Denn schwanger werden ohne Samen,
das fällt ein wenig aus dem Rahmen.
Ich glaube, der Mariensohn
war so was wie ein Gottesklon.
Er stammte aus dem Himmelsreich
und war mit Jahwe wesensgleich.
Im Jahr 325 wurde auf dem Konzil von
Nicäa beschlossen, dass Gott und Jesus „wesensgleich“ seien.
Die Jungfernschaft sah
Benedikt
vor vierzig Jahren
nicht so strikt:
„Die Gottessohnschaft Jesu beruht
nach dem kirchlichen Glauben nicht darauf, dass Jesus keinen menschlichen Vater
hatte; die Lehre vom Gottsein Jesu würde nicht angetastet, wenn Jesus aus einer
normalen menschlichen Ehe hervorgegangen wäre.“
Joseph Ratzinger:Einführung in das Christentum. Kösel, 1968, S. 225