Vorwort des Verfassers
Christen wirken etwas bedrückt, wenn sie in speziellen
Gebäuden gemeinsam aufsagen, was sie angeblich alles glauben. Ich frage mich
dann manchmal: Glauben diese Menschen tatsächlich, dass sie einen allmächtigen und
gütigen Vater im Himmel haben, und die Jungfrau Maria der Christenheit mit
Hilfe des Heiligen Geistes einen göttlichen Sohn geboren hat, der sich zur
Vergebung der Sünden von Römern zu Tode foltern liess, dann wieder lebendig
wurde, kurz im Reich der Toten war, leiblich zum Himmel aufgefahren ist und
eines Tages Milliarden von Toten und Lebendigen ins Paradies oder ins ewige
Feuer der Hölle schicken wird? Außerdem frage ich mich gelegentlich, ob
Christen eigentlich klar ist, dass ihr Glaube an Gott einen Glauben an die
Wahrheitsliebe und psychische Gesundheit von ihnen unbekannten Menschen
voraussetzt, die zu biblischen Zeiten gelebt haben. Eigentlich müsste das
Glaubensbekenntnis so beginnen:
„Ich glaube, dass Gott sich mindestens eine Million Jahre lang
nicht für die Menschheit interessiert hat. Ich glaube, dass Gott sich dann nur
um Hebräer gekümmert hat, die er in ägyptische Gefangenschaft geführt hatte.
Ich glaube, dass Gott vor zwei- bis dreitausend Jahren zu mehreren Männern im
vorderen Orient gesprochen hat. Ich glaube, dass diese Männer weder
Geisteskranke noch Drogenkonsumenten oder Schwindler waren. Ich glaube, dass
Gott in Gestalt seines Sohnes vor zweitausend Jahren Menschen in Palästina
erschienen ist. Ich glaube, dass Propheten über Jahrhunderte bzw. Jünger über
Jahrzehnte hinweg weitgehend unverändert das Wort Gottes bzw. Jesu mündlich
weitergegeben haben. Ich glaube, dass verschiedene Verfasser dieses Wort im
Wesentlichen unverfälscht aufgeschrieben haben. Ich glaube, dass aus einer Vielzahl
zunächst als heilig verehrter Schriften im Laufe der Jahrhunderte meine Kirche
nur die tatsächlich von Gott kommenden als solche erkannt und amtlich
zugelassen hat. Ich glaube, dass diese Offenbarung Gottes durch Fehler beim
Übersetzen und häufigen Abschreiben oder durch absichtliche Streichungen,
Änderungen und Zusätze nicht wesentlich verfälscht wurde. Ich glaube, dass die
Bibel von Experten meiner Kirche richtig ausgelegt wird. Ich glaube, dass sich
die etwa vier Milliarden Menschen irren, die an andere Götter oder an keinen
Gott glauben.“
Was Gott auf eine merkwürdig indirekte und unsichere Weise
mitgeteilt haben soll (man fühlt sich an das Kinderspiel „Stille Post“
erinnert), interessiert heute in Deutschland nur noch eine Minderheit:
Deutsche
ab 16 Jahren lesen die Bibel:
häufig 4%
hin und
wieder 9%
selten 25%
nie 62%
Quelle:
Allensbach-Umfrage (2005), s. www.fowid.de
Die Bibel ist schlecht editiert, sie liest sich schlecht,
und sie ist im Grunde blasphemisch. Sie stellt den Gott der Christen zumindest
im Alten Testament nicht als einen Gott der Liebe, sondern in erster Linie als
einen besonders widerwärtigen Psychopathen dar, der immer wieder in seiner
Eifersucht droht und mordet. Die Vorstellung, dass dieser Gott mithilfe
(s)eines Geistes und einer mit einem Handwerker unverheiratet zusammenlebenden
Jungfrau auf die Welt gekommen ist, um zu lehren und sich schließlich
hinrichten zu lassen, damit er den missratenen Geschöpfen, die das glauben und
ihn verehren, vergeben kann, ist an Absurdität kaum zu übertreffen.
Es ist für mich nicht vorstellbar, dass ein menschenähnlich
denkender und emotional schwer gestörter Gott schon seit Ewigkeiten existiert
und Milliarden von Galaxien sowie Tiere und Pflanzen aus dem Nichts
hervorgezaubert hat. Versuche, auf diesen jähzornigen Gott durch sonntägliche
Rituale einzuwirken und ihm durch Predigten, Gesänge und Orgelklänge eine
Freude zu machen, halte ich für töricht. Zu glauben, ein unsichtbares höheres
Wesen würde alle – zur Zeit 6.9 Milliarden - Menschen genau beobachten,
strafend und belohnend in ihr Leben eingreifen und für die Verstorbenen je nach
Sündenregister Himmel oder Hölle bereithalten, ist eines im 21. Jahrhundert
lebenden Erwachsenen nicht würdig. Mich beunruhigt, dass derzeit Milliarden von
Menschen mehr oder weniger stark an derartig kindischen Unsinn glauben.
Die Angst spielt oft die erste
Geige,
der Christ ist metaphysisch feige.
Mein Entsetzen über die Gräuelmärchen, Widersprüche und
Absurditäten der Bibel sowie über die schamlose Theolügie der amtlichen Deuter
und Zeremonienmeister dieses blutrünstigen Versteckspielgotts hat sich in dem
vorliegenden Band niedergeschlagen.
Die
Reimbibel basiert auf der sprachgewaltigen Lutherbibel von 1912: www.bibel-online.net
Die Einheitsübersetzung von 1999 formuliert zurückhaltender,
aber auch diese Version der Heiligen Schrift ist eine schreckliche Schrift: www.bibleserver.com
Diese Sammlung jahrtausendealter Märchen, Sagen, Legenden,
Erzählungen und sonstigen Texte hat immer wieder Unheil über große Teile der
Menschheit gebracht. Die Bibel ist intolerant, erklärt Unvernunft zur Tugend
und Zweifel zur Sünde. Sie ist demokratie- und freiheitsfeindlich,
ausländerfeindlich, judenfeindlich, frauenfeindlich, kinderfeindlich,
schwulenfeindlich und generell lustfeindlich. Sie stimmt Menschen darauf ein,
auch sonstigen im Brustton der Überzeugung vorgetragenen Unsinn zu glauben: von
heilenden Schwingungen in homöopathischen Wässerchen und unseriösen
Renditeversprechen bis hin zur Notwendigkeit, den Jüngsten Tag durch eine
nukleare Vernichtung der „Reiche des Bösen“ einzuleiten. Die ethischen
Standards des 21. Jahrhunderts sollten nicht auf irrsinnigen und oft
grauenvollen, überwiegend von Nachbarvölkern übernommenen Geschichten der
Eisenzeit beruhen.
Ich würde mich besonders freuen, wenn diese „Bibelausgabe“ einigen
religiös indoktrinierten Jugendlichen helfen würde, den christlichen
Aberglauben und entsprechende Angst- und Schuldgefühle abzulegen. An sinnvollen
Beschäftigungen mangelt es nicht auf unserem schönen, aber gleichzeitig auch
furchtbaren und stark beschädigten blauen Planeten. Den Himmel sollte man
derweil den Engeln, Spatzen und Theologen überlassen.
Ungläubige möchte ich ermuntern, sich in deutlicher Form
gegen Diffamierungen durch Christen, gegen berufliche Benachteiligungen und
gegen die penetrante religiöse Propaganda nicht-kirchlicher Zeitungen sowie der
ARD und des ZDFs zu wehren.
(Zum
„aggressiven Atheismus“ s. z.B. www.reimbibel.de/G3.htm
)
Skandalös ist auch die staatliche Bezahlung von Bischöfen,
Religionslehrern, Militärpfarrern und Mitarbeitern theologischer Fakultäten;
kirchliche Kindergärten werden übrigens nur zu etwa 10 Prozent und kirchliche
Krankenhäuser gar nicht von den Kirchen finanziert. Ungläubige Politiker/innen
und andere Prominente bitte ich, sich öffentlich zu ihrer Skepsis zu bekennen.
Vor allem gegen die religiöse Verblödung von Kindern und Jugendlichen sollten
aber alle vorgehen, die erkannt haben, dass Religionen grundsätzlich nicht
harmlos sind, sondern spalten und schon Kinder gegeneinander in Stellung
bringen.
Fettdruck in der jeweils ersten Zeile
eines Gedichts markiert den - sich immer wieder ändernden - sprachlichen
Rhythmus.
Über Lob,
vernünftige Kritik, Verbesserungsvorschläge und sonstige hilfreiche Hinweise freue
ich mich:
Wolfgang
Klosterhalfen, In der Donk 30, 40599 Düsseldorf
E-Mail: wk
ä reimbibel de
Höllendrohungen,
Beschimpfungen und Bekehrungsversuche: papierkorb ä reimbibel de
Dieses
Vorwort, ein Interview mit dem Autor, das Inhaltsverzeichnis der Reimbibel (mit
von dort aus aufrufbaren Gedichten), Rezensionen, ein Spottgedicht über Herrn
Dr. J.A. Ratzinger sowie ergänzende Texte und Links finden Sie auf meiner
Internetseite:
Viel
Vergnügen mit der ersten Reimbibel seit dem Mittelalter wünscht Dir/Ihnen
Wolfgang
Klosterhalfen.
Düsseldorf,
Mai 2010
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