Wie fromm ist das Düsseldorfer Rathaus?

 

Wie die Stadt Düsseldorf einen Bürger behandelte,

der um die Anschaffung kirchenkritischer Bücher gebeten hatte.

 

Eine Dokumentation von Wolfgang Klosterhalfen

 

 

 

Zusammenfassung

Von Januar 2012 bis Juni 2013 hat die Stadtbücherei Düsseldorf über 130 Bücher von Autoren angeschafft, die dem Christentum positiv gegenüberstehen. Sie weigerte sich hingegen, von elf von mir im März 2012 empfohlenen kirchenkritischen Büchern auch nur eins anzuschaffen. Diese Bücher seien zu speziell.

Meine Beschwerde gegen diese Entscheidung wurde im Rathaus mit den Stimmen der CDU und der FDP zurückgewiesen.

 

Die Westdeutsche Zeitung (Alexander Schulte) hat sich auf die Seite der Stadtbücherei gestellt, indem sie für den Streit irrelevante Ausführungen des Direktors der Stadtbücherei referierte, aber unterschlug, warum ich mich beschwert habe.

Über diese mich in ein schlechtes Licht rückende Darstellung habe ich mich vergeblich beim Deutschen Presserat beschwert:

http://reimbibel.de/WZ-Mail-von-Klosterhalfen-an-Michael-Vogler-wg-Alexander-Schulte.htm

 

 

Korrespondenz zwischen mir und der Stadt Düsseldorf:

 

Klosterhalfen an Hommes (Beschaffungsabteilung der Stadtbücherei), 9.3.2012

 

Sehr geehrter Herr Hommes,

 

als Mitglied des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung

www.giordano-bruno-stiftung.de

sowie des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes

www.aufklärungsdienst.de

beschäftige ich mich kritisch mit dem Christentum.

www.reimbibel.de/5.htm

 

In Düsseldorf gehören 46% der Bevölkerung nicht den großen Kirchen an.

http://www.duesseldorf.de/wahlen/download/statistisches_jahrbuch_2009.pdf

Nicht nur für diese Gruppe von Bürgern, sondern auch für Christen ist die in letzter Zeit vermehrt öffentlich vorgetragene Religionskritik von Interesse.

Da Christen in der Politik und den Medien überrepräsentiert sind, erfährt man auch in Düsseldorf relativ wenig über neuere kirchenkritische Bücher.

Es würde mich daher freuen, wenn es Ihnen möglich wäre, einige der folgenden Titel nicht nur für die Zentrale, sondern auch für die Stadtteilbüchereien anzuschaffen:

 

Stefan Bonner (2011)

Heilige Scheiße

http://www.amazon.de/Heilige-Schei%C3%9Fe-Religion-wirklich-besser/dp/3404601874/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1331288225&sr=1-1

 

Edgar Dahl (2010)

Wer zur Hölle will schon in den Himmel?

http://www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3939520705/ref=pd_sim_b_2

 

Carsten Ferk (2010)

Violettbuch Kirchenfinanzen

http://www.amazon.de/Violettbuch-Kirchenfinanzen-Staat-Kirchen-finanziert/dp/3865690394/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1331288347&sr=1-1

 

Carsten Frerk (2012)

Caritas und Diakonie in Deutschland

http://www.alibri-buecher.de/product_info.php/info/p172_Carsten-Frerk--Caritas-und-Diakonie-in-Deutschland.html

 

Heinz-Werner Kubitza (2011)

Der Jesuswahn

http://www.amazon.de/Der-Jesuswahn-Entzauberung-Weltreligion-wissenschaftliche/dp/3828824358/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1331287358&sr=1-1

 

Heinz-Werner Kubitza (2011)

Verführte Jugend

http://www.amazon.de/Verf%C3%BChrte-Jugend-Jugendkatechismus-Vern%C3%BCnftige-katholische/dp/3828828000/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1331288136&sr=1-2

 

Uwe Lehnert (2011)

Warum ich kein Christ sein will

http://www.amazon.de/Warum-kein-Christ-sein-naturalistisch-humanistischen/dp/3939520705/ref=pd_sim_b_2

 

Fiona Lorenz (2009)

Wozu brauche ich einen Gott?

http://www.amazon.de/Wozu-brauche-ich-einen-Gott/dp/3499624737/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1331288556&sr=1-1

 

Gerd Lüdemann (2011)

Wer war Jesus?

http://www.amazon.de/Wer-war-Jesus-Theologisch-politische-Interventionen/dp/3866741448/ref=sr_1_6?s=books&ie=UTF8&qid=1331288691&sr=1-6

 

Michael Schmidt-Salomon (2007)

Wo bitte geht´s zu Gott

http://www.amazon.de/bitte-geht%C2%92s-fragte-kleine-Ferkel/dp/3865690300/ref=sr_1_6?s=books&ie=UTF8&qid=1331288854&sr=1-6

 

Michael Schmidt-Salomon und Jacques Tilly (2011)

Anleitung zum Seligsein

http://www.amazon.de/Anleitung-zum-Seligsein-Michael-Schmidt-Salomon/dp/3865690688/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1331288854&sr=1-3

 

Herbert Schnädelbach (2009)

Religion in der modernen Welt

http://www.amazon.de/Religion-modernen-Welt-Herbert-Schn%C3%A4delbach/dp/359618360X/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1331289340&sr=1-2

 

Mit freundlichem Gruß,

 

Wolfgang Klosterhalfen

 

 

Hommes an Klosterhalfen (13.3.2012, meine Abschrift)

 

Ihre Buchwünsche

 

Sehr geehrter Herr Klosterhalfen,

 

vielen Dank für Ihre Buchwünsche, die Sie uns am 9. März per Email geschickt haben. Darin bemerken Sie, dass „kirchenkritische Bücher in den Stadtteilbüchereien

meist an einer Hand abzuzählen sind“.

 

Die Stadtbüchereien Düsseldorf haben sowohl Bücher für Christen, Juden, Moslems, Buddhisten und andere religiöse Menschen wie auch für Aufklärer und

Religionskritiker in ihrem Bestand, in der Zentralbibliothek wie auch in den Stadtteilbüchereien. So befinden sich auch zahlreiche religionskritische Werke aus

allen Epochen der Kultur- und Geistesgeschichte in dem Bestand der Stadtbüchereien Düsseldorf. Wie in allen anderen Bereichen können wir aufgrund

der begrenzten Ressourcen nicht alle publizierten Werke in unseren Bestand aufnehmen.

 

Wir werden Ihre konkreten Buchvorschläge prüfen und entscheiden, welche Bücher wir in den Bestand aufnehmen, wobei einige der von Ihnen vorgeschlagenen

Autoren, wie Edgar Dahl, Carsten Frerk oder Gerd Lüdemann sich bereits mit Werken in unserem Bestand befinden.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

 

Hommes

 

 

Klosterhalfen an Hommes (18.3.2012)

 

Sehr geehrter Herr Hommes,

 

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Es ist mir klar, dass Sie nicht allen Anschaffungswünschen entsprechen können.

 

Von Edgar Dahl habe ich ein weiteres Buch empfohlen, weil es sich im Wesentlichen um eine Sammlung von religionskritischen Aphorismen handelt, es also weder um „Die Gene der Liebe“ noch um „Xenotransplantation“ geht.

 

Dass bereits ein kirchenkritisches Werk von Carsten Frerk vorhanden ist, ist aus meiner Sicht erfreulich. Das von mir empfohlene Buch geht bei den Flagschiffen der Kirchen, Caritas und Diakonie, in die finanziellen Details:

 

„Der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk sind in den vergangenen Jahrzenten zum weltweit größten privaten Arbeitgeberverbund aufgestiegen. Im Bereich der christlichen Wohlfahrtspflege werden bei etwa 1,5 Millionen Beschäftigten jährlich rund 45 Milliarden Euro umgesetzt. Obwohl die Einrichtung sich weitestgehend aus öffentlichen Mitteln finanzieren, wird das karitative Engagement in der öffentlichen Wahrnehmung den Kirchen "gutgeschrieben".

 

Frerk scheint der Einzige zu sein, der eine derartige – politisch brisante – Dokumentation vorlegt.

 

Es würde mich freuen, wenn Sie mir das Ergebnis Ihrer Prüfung zu gegebener Zeit mitteilen würden.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Wolfgang Klosterhalfen

 

 

Klosterhalfen an Hommes (11.3.2013)

 

Sehr geehrter Herr Hommes,

 

am 9.3.2012 habe ich Ihnen eine Liste von zwölf neueren kirchenkritischen Büchern übermittelt und Sie gebeten, davon einige anzuschaffen. Am 13.3.2012 schrieben Sie mir u.a.:

 

„Wir werden Ihre konkreten Buchvorschläge prüfen und entscheiden, welche Bücher wir in den Bestand aufnehmen, wobei einige der von Ihnen vorgeschlagenen Autoren, wie Edgar Dahl, Carsten Frerk oder Gerd Lüdemann sich bereits mit Werken in unserem Bestand befinden.“

 

Ich habe Ihnen daraufhin mit Schreiben vom18.3.2012 geantwortet:

 

„Sehr geehrter Herr Hommes,

 

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Es ist mir klar, dass Sie nicht allen Anschaffungswünschen entsprechen können.

 

Von Edgar Dahl habe ich ein weiteres Buch empfohlen, weil es sich im Wesentlichen um eine Sammlung von religionskritischen Aphorismen handelt, es also weder um „Die Gene der Liebe“ noch um „Xenotransplantation“ geht.

 

Dass bereits ein kirchenkritisches Werk von Carsten Frerk vorhanden ist, ist aus meiner Sicht erfreulich. Das von mir empfohlene Buch geht bei den Flagschiffen der Kirchen, Caritas und Diakonie, in die finanziellen Details:

 

„Der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk sind in den vergangenen Jahrzenten zum weltweit größten privaten Arbeitgeberverbund aufgestiegen. Im Bereich der christlichen Wohlfahrtspflege werden bei etwa 1,5 Millionen Beschäftigten jährlich rund 45 Milliarden Euro umgesetzt. Obwohl die Einrichtung sich weitestgehend aus öffentlichen Mitteln finanzieren, wird das karitative Engagement in der öffentlichen Wahrnehmung den Kirchen "gutgeschrieben".

 

Frerk scheint der Einzige zu sein, der eine derartige – politisch brisante – Dokumentation vorlegt.

 

Es würde mich freuen, wenn Sie mir das Ergebnis Ihrer Prüfung zu gegebener Zeit mitteilen würden.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Wolfgang Klosterhalfen“

 

Meiner Bitte, mir das Ergebnis Ihrer Überprüfung mitzuteilen, sind Sie leider nicht nachgekommen. Es scheint mir, dass Sie keinen einzigen meiner Anschaffungsvorschläge berücksichtigt haben. Bitte teilen Sie mir mit, aufgrund welcher Überlegungen Sie zu dieser Entscheidung gekommen sind.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Wolfgang Klosterhalfen

 

 

Hommes an Klosterhalfen (15.3.2013)

 

Sehr geehrter Herr Klosterhalfen,

 

wir haben Ihre Buchwünsche geprüft und uns dagegen entschieden, weil sie für uns als Öffentliche Bibliothek zu speziell sind. Über die Fernleihe können wir diese Bücher gerne für Sie aus wissenschaftlichen Bibliotheken besorgen.

  

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

 

Klaus Peter Hommes

 

 

Klosterhalfen an Hommes (per Einschreiben, 5.4.2013, zuvor als E-Mail)

 

Sehr geehrter Herr Hommes,

 

die Begründung Ihrer Ablehnung (zu speziell, zu wissenschaftlich) kann ich nur bei den Titeln von Lüdemann und Schnädelbach einigermaßen nachvollziehen. Zumindest die übrigen zehn Bücher sind nicht für Wissenschaftler, sondern für Laien geschrieben und ohne ein Studium der Theologie, Philosophie oder anderer Fächer zu verstehen.

 

Das Interesse an Religions- und Kirchenkritik hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bei etlichen der von mir vorgeschlagenen Titel finden Sie entsprechend bei Amazon eine ungewöhnlich hohe Zahl von Buchbesprechungen, und dies auch bei Büchern, die von den Medien gar nicht oder nur wenig beachtet worden sind. Dass Aufklärung über die fragwürdigen biblischen Grundlagen des christlichen Glaubens und die massive finanzielle Unterstützung der Kirchen durch den Staat bei geringen Ausgaben der Kirchen für Soziales den großen Religionsanbietern unangenehm ist, kann ich verstehen. Es ist aber nicht Ihre Aufgabe, als Leiter der Beschaffungsabteilung einseitig kirchliche Interessen zu vertreten, sondern den Bürgern der Stadt auch neuere kirchenkritische Abhandlungen zur Verfügung zu stellen, die durch das bekannte Buch von Richard Dawkins nicht abgedeckt sind.

 

Teilen Sie mir bitte mit, wer außer Ihnen noch an der Totalablehnung meiner Anschaffungsvorschläge mitgewirkt hat.

 

Zusätzlich zu den von mir am 9.3.2012 vorgeschlagenen 12 Büchern, bitte ich Sie, einige der folgenden 10 kirchen- bzw. religionskritischen Werke anzuschaffen:

 

Rolf Bergmeier (2011)

Schatten über Europa: Der Untergang der antiken Kultur

 

Alfred Binder (2012)

Religion: Eine kurze Kritik

 

Karlheinz Deschner (2012)

Mit Gott und den Faschisten:

Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler und Pavelic

 

Karlheinz Deschner (2013)

Kriminalgeschichte des Christentums, Band 10

 

Carsten Frerk (2010)

Violettbuch der Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert

 

Peter Henkel (2012)

Irrtum unser! oder Wie Glaube verstockt macht

 

Christopher Hitchens (2009)

Der Herr ist kein Hirte

 

Wolfgang Klosterhalfen (2013)

O Gott: die Bibel! Bibelgeschichten in Form von Gedichten

http://www.bod.de/index.php?id=296&objk_id=211794

 

Eva Müller (2013)

Gott hat hohe Nebenkosten: Wer wirklich für die Kirchen zahlt

 

Hubertus Mynarek (2012)

Luther ohne Mythos: Das Böse im Reformator

 

Ihre Entscheidung über die obigen Anschaffungsvorschläge teilen Sie mir bitte so bald wie möglich mit.

 

Mit freundlichem Gruß,

 

 

Hommes an Klosterhalfen (10.4.2013, meine Abschrift)

 

Ihre Email vom 27.3.2013 und Ihr Schreiben vom 4.4.2013

 

Sehr geehrter Herr Dr. Klosterhalfen,

 

wie ich Ihnen bereits am 13.03.2012 geschrieben habe, befinden sich im Bestand der Stadtbüchereien Düsseldorf sowohl Bücher für und über Christen, Juden, Moslems, Buddhisten und andere religiöse Menschen Menschen wie auch für auch für und über Aufklärer und Religionskritiker. Hier wie auch in allen anderen Bereichen können wir aufgrund der begrenzten finanziellen wie anderer Ressourcen nicht alle publizierten Werke in den Bestand aufnehmen, sondern treffen eine Auswahl, die möglichst vielen Interessen gerecht wird.

 

Ihre erste Liste habe ich geprüft und mich gegen die Anschaffung der Bücher entschieden, da sie zu speziell und zu wissenschaftlich sind. Wir (gemeint: wie, WK) ich Ihnen am 15.03.2013 in einer Mail geschrieben habe, können wir die Bücher gerne per Fernleihe aus wissenschaftlichen Bibliotheken besorgen.

 

Ihre neue Liste habe ich geprüft und kann Ihnen mitteilen, dass das von Ihnen vorgeschlagene Buch von Eva Müller „Gott hat hohe Nebenkosten“ sich bereits unter der Signatur Kfr5 Muelle im Bestand der Stadtbüchereien Düsseldorf befindet. Die beiden Bücher von Karlheinz Deschner „Mit Gott und den Faschisten“ sowie „Kriminalgeschichte des Christentums“ Band 10 werden für die Stadtbüchereien ebenso erworben wie die Neuauflage des Buches von Carsten Fink (gemeint ist: Carsten Frerk, WK) „Violettbuch der Kirchenfinanzen“.

 

 

Klosterhalfen an den Anregungs- und Beschwerdeausschuss (8.5.2013)

 

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen, In der Donk 30, 40599 Düsseldorf, 8.5.2013

 

An die Geschäftsstelle

des Anregungs- und Beschwerdeausschusses

der Stadt Düsseldorf

10/4 - Stadtverfassung,

40200 Düsseldorf

 

Beschwerde über eine Entscheidung der Stadtbibliothek

 

Als Bürger der Stadt Düsseldorf beschwere ich mich über eine Entscheidung der Stadtbücherei Düsseldorf, die nicht bereit war, von zwölf von mir am 9.3.2012 vorgeschlagenen Büchern auch nur ein einziges anzuschaffen.

 

Am 9.3.2012 schrieb ich an die Stadtbücherei:

„Sehr geehrter Herr Hommes, als Mitglied des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung www.giordano-bruno-stiftung.de sowie des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes www.aufklärungsdienst.de beschäftige ich mich kritisch mit dem Christentum. www.reimbibel.de/5.htm

In Düsseldorf gehören 46% der Bevölkerung nicht den großen Kirchen an. http://www.duesseldorf.de/wahlen/download/statistisches_jahrbuch_2009.pdf

Nicht nur für diese Gruppe von Bürgern, sondern auch für Christen ist die in letzter Zeit vermehrt öffentlich vorgetragene Religionskritik von Interesse.

Da Christen in der Politik und den Medien überrepräsentiert sind, erfährt man auch in Düsseldorf relativ wenig über neuere kirchenkritische Bücher.

Es würde mich daher freuen, wenn es Ihnen möglich wäre, einige der folgenden Titel nicht nur für die Zentrale, sondern auch für die Stadtteilbüchereien anzuschaffen: ... “ (Es folgte eine Liste von zwölf Büchern mit entsprechenden Amazon-Links, so dass man schnell entscheidungssrelevante Informationen finden konnte.)

 

Zunächst wurde mir mitgeteilt: „Wir werden Ihre konkreten Buchvorschläge prüfen und entscheiden, welche Bücher wir in den Bestand aufnehmen, wobei einige der von Ihnen vorgeschlagenen Autoren, wie Edgar Dahl, Carsten Frerk oder Gerd Lüdemann sich bereits mit Werken in unserem Bestand befinden.“

 

Schon diese Einlassung ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel, weshalb ich wie folgt geantwortet habe: Von Edgar Dahl habe ich ein weiteres Buch empfohlen, weil es sich im Wesentlichen um eine Sammlung von religionskritischen Aphorismen handelt, es also weder um „Die Gene der Liebe“ noch um „Xenotransplantation“ geht. Dass bereits ein kirchenkritisches Werk von Carsten Frerk vorhanden ist, ist aus meiner Sicht erfreulich. Das von mir empfohlene Buch geht bei den Flagschiffen der Kirchen, Caritas und Diakonie, in die finanziellen Details: „Der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk sind in den vergangenen Jahrzenten zum weltweit größten privaten Arbeitgeberverbund aufgestiegen. Im Bereich der christlichen Wohlfahrtspflege werden bei etwa 1,5 Millionen Beschäftigten jährlich rund 45 Milliarden Euro umgesetzt. Obwohl die Einrichtung sich weitestgehend aus öffentlichen Mitteln finanzieren, wird das karitative Engagement in der öffentlichen Wahrnehmung den Kirchen "gutgeschrieben". Frerk scheint der Einzige zu sein, der eine derartige – politisch brisante – Dokumentation vorlegt. Es würde mich freuen, wenn Sie mir das Ergebnis Ihrer Prüfung zu gegebener Zeit mitteilen würden.“

 

Nachdem ich etwa ein Jahr lang in dieser Sache nichts mehr von der Stadtbücherei gehört hatte, musste ich feststellten, dass keins der zwölf Bücher angeschafft wurde. Auf meine Frage nach den Gründen für diese Totalablehnung erfuhr ich per E-Mail vom 15.3.2013: „wir haben Ihre Buchwünsche geprüft und uns dagegen entschieden, weil sie für uns als Öffentliche Bibliothek zu speziell sind. Über die Fernleihe können wir diese Bücher gerne für Sie aus wissenschaftlichen Bibliotheken besorgen.“

 

Daraufhin schrieb ich an den Leiter der Abteilung „Bestandsaufbau, Sacherschließung und Fachinformation“ der Stadtbücherei Düsseldorf, Herrn Klaus Peter Hommes: „Sehr geehrter Herr Hommes,   die Begründung Ihrer Ablehnung (zu speziell, zu wissenschaftlich) kann ich nur bei den Titeln von Lüdemann und Schnädelbach einigermaßen nachvollziehen. Zumindest die übrigen zehn Bücher sind nicht für Wissenschaftler, sondern für Laien geschrieben und ohne ein Studium der Theologie, Philosophie oder anderer Fächer zu verstehen.   Das Interesse an Religions- und Kirchenkritik hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Bei etlichen der von mir vorgeschlagenen Titel finden Sie entsprechend bei Amazon eine ungewöhnlich hohe Zahl von Buchbesprechungen, und dies bei Büchern, die von den Medien gar nicht oder nur wenig beachtet worden sind. Dass Aufklärung über die fragwürdigen biblischen Grundlagen des christlichen Glaubens und die massive finanzielle Unterstützung der Kirchen durch den Staat bei geringen Ausgaben der Kirchen für Soziales den großen Religionsanbietern unangenehm ist, kann ich verstehen. Es ist aber nicht Ihre Aufgabe, als Leiter der Beschaffungsabteilung einseitig kirchliche Interessen zu vertreten, sondern den Bürgern der Stadt auch neuere kirchenkritische Abhandlungen zur Verfügung zu stellen, die durch das bekannte Buch von Richard Dawkins nicht abgedeckt sind.   Teilen Sie mir bitte mit, wer außer Ihnen noch an der Totalablehnung meiner Anschaffungsvorschläge mitgewirkt hat.

Mit freundlichem Gruß, Wolfgang Klosterhalfen In der Donk 30 40599 Düsseldorf www.reimbibel.de

 

Meiner Bitte vom 18.3.2012, mir mitzuteilen, wer noch an dieser Totalablehnung mitgewirkt hat, ist Herr Hommes bisher nicht nachgekommen.

In einem Schreiben der Stadtbücherei vom 10.4.2013 hieß es erneut, die Bücher seien nicht angeschafft worden, weil sie zu speziell und zu wissenschaftlich seien. Wie die folgende Aufstellung zeigt, trifft dies für zumindest elf der von mir vorgeschlagenen Bücher nicht zu. Als relativ guten Indikator für die Popularität der vorgeschlagenen Bücher gebe ich in der folgenden Aufstellung an, wieviel Kundenrezensionen pro Buch Anfang April 2013 beim Internetbuchhändler Amazon vorlagen. Zum Vergleich vorab die entsprechenden Zahlen einiger in der Stadtbücherei vorhandener Werke prominenter christlicher Autoren:

 

Anselm Grün, Buch der Antworten: 3

Margot Käßmann, Gut zu leben: 0, In der Mitte des Lebens: 39, Mütter der Bibel: 2,

Sehnsucht nach Leben: 19, Wenn die Dunkelheit leuchtet: 2, Meine schönsten Weihnachtsgeschichten: 2

Hans Küng, Ist die Kirche noch zu retten: 23, Was ich glaube: 13

Matthias Matussek, Das katholische Abenteuer: 47

Joseph Ratzinger, Jesus von Nazareth, 3 Bände: 68,  31,  51

 

1. Stefan Bonner und Anne Weiss (2011) Heilige Scheiße: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran? (109)

Das Buch ist weder zu speziell noch wissenschaftlich. Es behandelt neben Religionen auch andere esoterische Systeme und spricht in seinem Stil vor allem junge Leser an. Die Autoren sind durch den Bestseller „Generation Doof“ (246 Besprechungen bei Amazon!) einem breiten Publikum bekannt geworden.

Blick ins Buch: http://goo.gl/1yTs4

 

2.  Edgar Dahl (2010) Wer zur Hölle will schon in den Himmel? Ein Brevier für Ungläubige und solche, die es werden wollen (10)

Gegen dies Buch wurde zunächst eingewendet, es seien schon Bücher dieses Autors vorhanden. Dieses „Argument“ ist nicht stichhaltig, da die vorhandenen beiden Bücher sich inhaltlich mit dem von mir empfohlenen nicht überlappen. Außerdem scheint dieses fragwürdige Kriterium nicht zu gelten, wenn es sich z.B.um erbauliche Schriften von Margot Käßmann handelt: Es wurden schon 17 verschiedene Titel dieser Autorin angeschafft. Auch werden Aphorismen von der Stadt nicht als zu speziell oder zu wissenschaftlich angesehen. Der Katalog der Stadtbücherei verzeichnet nämlich unter dem Suchwort „Aphorismen“ 46 Bände. Es handelt sich bei Dahls Buch aber um eine Sammlung religionskritischer Aphorismen (unter Verwendung zahlreicher ins Deutsche übersetzter wenig bekannter Aphorismen angloamerikanischer Autoren). Da sich viele Geistesgrößen wie z.B. Goethe, Heine und Einstein mit sehr spitzer Feder zum Glauben und zur Kirche geäußert haben, sähe mancher Christ das obige Buch vermutlich lieber auf einem index liberorum prohibitorum als in der Stadtbücherei.

 

3. Carsten Frerk (2010) Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert (16)

Das Problem der unzureichenden Trennung von Kirche und Staat stößt in der Politik und in der Öffentlichkeit auf zunehmendes Interesse. Frerk hat recherchiert, mit welchen Milliardenbeträgen der Staat die Kirchen direkt und indirekt subventioniert. Das Buch ist für Laien verständlich geschrieben und dürfte für politisch interessierte Düsseldorfer interessanter sein als der schon vorhandene Band „Vatikan AG“, Nuzzis Bericht über Mafia und Geldwäsche im Vatikan. (Zur Auseinandersetzung zwischen Carsten Frerk und den katholischen Bischöfen s. http://hpd.de/node/10704 )

 

4. Carsten Frerk: Caritas und Diakonie in Deutschland (Neuausgabe 2012) (Nur über den Alibri-Verlag zu beziehen)

Caritas und Diakonie verfügen zusammen über mehr als eine Million Feststellen und sind nach dem Staat der größte Arbeitgeber in Deutschland. Die beiden großen Kirchen tragen laut Frerk nur jeweils 2% zu den laufenden Kosten dieser Einrichtungen bei, mischen sich aber in das Sexualleben ihrer (potentiellen) Angestellten ein, lassen echte Gewerkschaften und Streiks nicht zu und benachteiligen „atheistische“, „muslimische“ und andere nicht-christliche Menschen, die auf Stellensuche sind. Eine öffentliche Diskussion dieser Probleme hat – nicht zuletzt dank des obigen Buchs - gerade begonnen. Das Buch basiert auf empirischen Erhebungen, ist aber kein wissenschaftliches Werk.

 

5. Heinz-Werner Kubitza (2011) Der Jesuswahn: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung (55)

Der promovierte Theologe Kubitza referiert in diesem populärwissenschaftlichem Werk für Laien Ergebnisse der kritischen Theologie. Die heutigen Universitäts-Theologen sind sich weitgehend darüber einig, dass die meisten „Worte Jesu“ diesem nachträglich in den Mund gelegt worden sind. Dies wurde mir vor etwa zwei Jahren bei einer Veranstaltung im Düsseldorfer Maxhaus, das ja nicht gerade als Hort des „Atheismus“ gilt, von Frau Prof. Saskia Wendel bestätigt. Die Kirchen hüten sich, solche Erkenntnisse an ihre zahlende Kundschaft weiterzugeben. Kubitza hält Jesus für die am meisten überschätze Person der Weltgeschichte und begründet dies ausführlich. Das Buch ist geeignet, den christlichen Glauben zu erschüttern. http://www.jesuswahn.de/

 

6. Heinz-Werner Kubitza (2011) Verführte Jugend: Eine Kritik am Jugendkatechismus Youcat. Vernünftige Antworten auf katholische Fragen (13)

Schon Heinrich Heine hielt Glauben und Vernunft für nicht miteinander vereinbar. Er schrieb 1827 an Karl August Varnhagen von Ense:

Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.“ Heinz-Werner Kubitza hat hier aus rational-wissenschaftlicher Perspektive, aber in allgemeinverständlicher Form die ersten 165 Punkte des Youcat kommentiert, in denen es um die Grundlagen des Glaubens geht. Es gibt für gläubige und ungläubige Laien kaum eine bessere Möglichkeit, Inhalte und Probleme des katholischen bzw. christlichen Glaubens kennenzulernen, als den in der religionsfreundlichen Stadtbücherei natürlich vorhandenen Youcat und Kubitzas Youcat-Kritik parallel zu lesen. http://www.tectum-verlag.de/verfuehrte-jugend.html

 

7. Uwe Lehnert (2011) Warum ich kein Christ sein will - Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung

(61) Aus Leserrezensionen bei Amazon (Zeitungen, Radio und Fernsehen haben das Buch bisher ignoriert):

„Uwe Lehnert spannt einen weiten Bogen von den durchaus erkennbaren Gesetzen der Naturwissenschaften zu Gott, dem wohl ewig ungelösten Theodizee-Problem, den noch neuen Erkenntnissen der Neurobiologie zur Frage der Willensfreiheit, vom Dogma der Kirche und ihrer angemaßten Zuständigkeit für moralische Fragen, frühkindlicher Indoktrination, Sterbehilfe, Zwangsmissionierung, Sündenbegriff, Widerspruch zwischen Glaube und Wissen, Zensur in Weltanschauungsfragen, bis hin zum Sinn des Lebens.“ - „logisch nachvollziehbare, in verständlicher und doch präzise-eleganter Sprache gehaltene Fakten, die jedermann und jederfrau einleuchten. Keine gelehrte Haarspalterei, sondern "gesunder Menschenverstand" auf höchster Ebene. Ein interdisziplinärer Schuster, der entgegen dem Sprichwort über die Grenzen seines "Leistens" hinausschaut und selbstverständlich nie auch nur in die Nähe des Stammtischniveaus gerät, wo Leute über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben.“ - „Was mir über viele Jahre im Dienst als evangelischer Pfarrer erst allmählich immer deutlicher und bedrängender wurde, fand ich nun bei Uwe Lehnert systematisch und sachlich gut abgesichert dargestellt. Es sind die zum Teil haarsträubenden Zumutungen der Bibel und der daraus resultierenden Glaubenssätze, die für den Verstand ein beständiges scandalon darstellen und dem eigenständigen, geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Denken im Wege stehen.“ Es ist mir rätselhaft, warum eine umfassende, für ein breites Publikum geschriebene Kritik am Christentum, der eine rationale Weltanschauung gegenübergestellt wird, zu speziell oder zu wissenschaftlich für Düsseldorfer Bürger sein soll. http://www.uwelehnert.de/lehnert_buch/Zitate1-4_Christ.pdf

 

8. Fiona Lorenz (2009) Wozu brauche ich einen Gott?: Gespräche mit Abtrünnigen und Ungläubigen (10)

Ungläubige oder vom christlichen Glauben Abgefallene berichten über ihre Gedanken und Erlebnisse. Bewegende, sehr persönliche Berichte. Auch dies Buch ist ohne Hochschulstudium bestens zu verstehen. Es ist bei Rowohlt erschienen und enthält Zeichnungen des bekannten Cartoonisten Ralf König.

Blick ins Buch: http://goo.gl/6P48g

 

9. Gerd Lüdemann (2011) Wer war Jesus?: Theologisch-politische Interventionen (1)

Gegen die Anschaffung dieses Buchs war zunächst eingewendet worden, von diesem Autor sei schon ein Buch vorhanden. Es handelt sich dabei um ein sehr spezielles Werk Lüdemanns, in dem es ausschließlich um den 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher geht. Das vorgeschlagene Werk ist weniger speziell und keineswegs zu wissenschaftlich, sondern bemüht sich gerade darum, wissenschaftliche Ergebnisse für Laien verständlich darzustellen. Der Autor ist der gegenwärtig prominenteste Vertreter der kritischen Theologie in Deutschland. Im Vorwort zu „Wer war Jesus?“ schreibt Lüdemann: „Im vorliegenden Band lege ich eine Auswahl von Essays vor, von denen die meisten in deutschen Tages- und Wochenzeitungen erschienen sind. ... Die Gelegenheit, wissenschaftliche Probleme, die mein Spezialgebiet betreffen, vor einem großen Publikum literarisch bearbeiten zu dürfen, ist für mich immer eine große Herausforderung.“

 

10. Michael Schmidt-Salomon (2007) Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen (136)

Dieses Buch erntete viel Lob und viel Kritik. Versuche, es als jugendgefährdend zu indizieren oder als antisemitisch verbieten zu lassen, waren nicht erfolgreich. Für die etwa 50% deutscher Eltern, die nicht an einen persönlichen Gott glauben, und für die Kinderbibeln nicht in Frage kommen, eine interessante Möglichkeit, mit ihren Kindern über die Lehren der drei abrahamitischen Religionen und deren (oft mörderische) Rivalität zu sprechen. Auch hier kann natürlich keine Rede davon sein, das Buch sei zu speziell oder gehöre in eine wissenschaftliche Bibliothek. www.ferkelbuch.de

 

11. Jacques Tilly und Michael Schmidt-Salomon (2011) Anleitung zum Seligsein (13)

„Als "Deutschlands Chef-Atheist" (Der Spiegel) tritt Michael Schmidt-Salomon öffentlichkeitswirksam für die Belange der Ungläubigen ein und streitet sich mit Vertretern der Kirchen.“ Schmidt-Salomon ist im Kampf gegen den Goliath Kirche, der über zigtausend vollbezahlte Akademikerstellen verfügt, der David. Aber er zielt und trifft meist genau, und das wohl ganz ohne göttliche Hilfe. Für viele Christen ist der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung das rote Tuch, seine Bücher sind aber durchweg gut zu lesen. Auch dieses Buch wurde weder für ein Fachpublikum noch für wissenschaftliche Fachbibliotheken geschrieben. Vor allem für Lokalpatrioten auch interessant wegen der Illustrationen von Wagenbauer Jacques Tilly.

 

12. Herbert Schnädelbach (2012) Was Philosophen wissen: und was man von ihnen lernen kann (6)

 „Ein brillanter Grundkurs in Philosophie - für Einsteiger und Fortgeschrittene. Herbert Schnädelbach demonstriert in vierzehn Kapiteln exemplarisch, was in der gegenwärtigen Philosophie verbindlich gelehrt und gelernt werden kann. Zusammengenommen sind seine Ausführungen ein brillanter Grundkurs in Philosophie.“ (Kurzbeschreibung des Verlags)

Das Buch dürfte nicht spezieller und wissenschaftlicher sein als die meisten der 1398 in der Stadtbücherei schon vorhandenen Philosophie-Bücher.

 

Da ich die Mitarbeiter/innen der Stadtbücherei grundsätzlich für intelligente Menschen halte, kann ich mir nicht vorstellen, dass die mit meinem Vorschlag beschäftigten Personen tatsächlich der Auffassung sind, die von mir vorgeschlagenen Bücher seien allesamt zu speziell oder zu wissenschaftlich für die – im Schnitt vermutlich überdurchschnittlich gebildeten – Kund/inn/en ihrer schönen und wichtigen Einrichtung. Ich habe den Eindruck, dass der wahre Grund für die Weigerung, auch nur eins der Bücher anzuschaffen, darin liegt, dass Angestellte der Stadtbücherei mit der glaubens- und kirchenkritischen Tendenz von elf der Bücher nicht einverstanden waren. In diesem Fall hätte die Stadtbücherei gegen Artikel 5 (1) des Grundgesetzes verstoßen, der das Recht garantiert, die eigene „Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ Dieser Artikel legt außerdem fest: „Eine Zensur findet nicht statt.“

 

Weil die Stadt Düsseldorf nicht von Bodenschätzen lebt, sondern von der Bildung ihrer Bürger/innen und deren Engagement, bin ich „not amused“ darüber, dass anscheinend der lange Arm der Kirche(n), deren irrationale Lehre auf zwei- bis dreitausend Jahre alten, extrem problematischen Schriften basiert, in der Stadtbücherei die Anschaffung aktueller christentumskritischer Bücher behindert hat. Ich bitte die Stadt, diesen skandalösen Vorgang  zu überprüfen und Sorge dafür zu tragen, dass er sich nicht wiederholt. Ferner möchte ich bei dieser Gelegenheit anregen, dass die Stadt ganz allgemein über ihr Verhältnis zu den Kirchen nachdenkt und im Sinne von Artikel 137 (1) des Grundgesetzes eine Trennung von Stadt und Kirche sowie von allen anderen Religionsgemeinschaften anstrebt. Niemand sollte allein wegen seiner Weltanschauung von der Stadt bevorzugt oder benachteiligt werden. Es gilt den soziologischen Wandel seit dem Ende des 2. Weltkriegs zu realisieren und daraus Konsequenzen zu ziehen. Aufklärungsschriften wie die von mir vorgeschlagenen könnten dabei hilfreich sein.

 

In Düsseldorf gehörten im Jahr 1933 nur 7% der Einwohner keiner der beiden großen Kirchen an; im Jahr 2010 waren es schon 48%. Dieser Trend zur Säkularisierung wird sich fortsetzen. Hinzu kommt eine schon stark fortgeschrittene Erosion des Glaubens bei den noch verbliebenen Mitgliedern, s. www.reimbibel.de/statistik.htm . Im Kontrast dazu hat die gesellschaftliche Macht der beiden vom Staat hoch subventionierten und privilegierten Kirchen stark zugenommen. Dies geht oft  einher mit einer Diskriminierung der nicht-christlichen Bürger und Bürgerinnen. Besonders in NRW hat ein großer Teil der sozialen Einrichtungen einen kirchlichen Träger. Dieser bietet seine Stellen nur in Ausnahmefällen auch Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus und „Atheisten“ an. Die kirchlichen Kindergärten, Kitas und Schulen bevorzugen Kinder von Kirchenmitgliedern, obwohl die Kirchen nichts oder nur wenig zu den laufenden Kosten beitragen.

 

Erschwerend kommt aus meiner Sicht hinzu, dass sich in der Öffentlichkeit mit Unterstützung der überwiegend „frommen“ Massenmedien ein christlicher Chauvinismus breit gemacht hat. Dabei wird ignoriert, dass Demokratie und Menschenrechte (wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Kunst, Gleichberechtigung und weitere Menschenrechte) gegen den Widerstand der Kirche(n) durchgesetzt werden mussten. Viele Christen halten sich weiterhin für die besseren Menschen und tun so, als seien der vernünftige Teil der Zehn Gebote (nicht töten, stehlen, lügen) und die Nächstenliebe erstmals vom Judentum bzw. vom Christentum eingeführt worden. Diese Selbstbeweihräucherung und das vage Gerede von den „christlichen Werten“ setzt indirekt Nicht-Christen, vor allem sog. Atheisten und Agnostiker, herab. Es wird suggeriert, das Christentum oder zumindest der Glaube an einen Gott sei für eine humane Gesellschaft „alternativlos“. Noch ärgerlicher und für ein friedliches Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft kontraproduktiv ist, dass prominente Christen immer wieder „Atheisten“ als ethisch minderwertig oder sogar tendenziell verbrecherisch diffamieren: s. www.reimbibel.de/HETZE.htm

 

Dass dabei aus dem Glashaus heraus mit Steinen geworfen wird, und bisher keine Verbrecherorganisation so viel Schaden angerichtet hat wie die Kirchen, soll hier nur kurz skizziert werden:

(nachträgliche Anmerkung des Verfassers vom 17.7.2013: Damit wollte ich nicht sagen, dass ich die Kirchen für Verbrecherorganisationen halte. In diesem Fall hätte ich geschrieben: keine andere Verbrecherorganisation. Ich wollte ausdrücken, dass selbst so verbrecherische Organisationen wie die Mafia nicht so viel Schaden angerichtet haben wie die Kirchen.)

- In ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte hat die Religion der Liebe eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, zu welch fürchterlichen Verbrechen sie unter Berufung auf Gott und die Bibel fähig ist, s. Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums in 10 Bänden: http://www.deschner.info/ oder meine kurze Liste von Höhe- bzw. Tiefpunkten dieser Kriminalgeschichte: www.reimbibel.de/KG.htm .

- Die Vorgängerpartei der CDU, das katholische Zentrum, hat gemeinsam mit der NSDAP 1933 die Demokratie abgeschafft;

- Die meisten deutschen Bischöfe haben Hitler hofiert und dessen Kriegspolitik („Gott mit uns“, „alle Obrigkeit kommt von Gott“) unterstützt;

der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, war ein Kriegshetzer, s. www.reimbibel.de/Kirche-im-Dritten-Reich.htm .

- Die deutschen Bischöfe haben gegen die Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger wenig unternommen; die evangelische Kirche war den Nazis bei der Identifizierung von Juden behilflich;

- Nach dem Krieg sind etwa 600.000 Kinder und Jugendliche in kirchlichen Heimen durch Zwangsarbeit ausgebeutet, um den Schulunterricht gebracht, psychisch terrorisiert, systematisch geprügelt und häufig auch sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt worden.

- Weder die Verbrechen an Heimkindern noch die Sexualverbrechen in sonstigen kirchlichen Einrichtungen sind bisher angemessen aufgearbeitet worden; das leider vom Bundestag geehrte Oberhaupt eines absolutistisch regierten Zwergstaats, Dr. Joseph Ratzinger, hat bei der weltweiten Vertuschung sexueller Übergriffe durch katholische Priester eine zentrale Rolle gespielt: www.reimbibel.de/ratz.htm

 

Für ein friedliches Zusammenleben in Düsseldorf wäre es besser, wenn unsere Kinder sich in Kindergärten und Schulen gemeinsam mit religiösen Überzeugungen und Bräuchen beschäftigen würden und nicht wegen der unterschiedlichen Weltanschauungen ihrer Eltern separiert – und potentiell gegeneinander in Stellung gebracht - würden. Das würde außerdem Kindern und Eltern Zeit (kürzere Wege zu den Einrichtungen) und uns allen Kosten sparen sowie die Besetzung von Stellen erleichtern. Das Recht der Eltern, ihre Kinder nach Belieben religiös zu indoktrinieren, bleibt davon ja unberührt. Für geradezu absurd halte ich, dass es für Kinder sogar separate Immobilien und Unterrichte in Abhängigkeit u.a. davon gibt, welche Einstellung deren Eltern (vermutlich) hinsichtlich des Papstes sowie des Abendmahls und der „Wandlung von Brot und Wein“ durch Menschen mit Menstruationshintergrund haben.

 

Religionen trennen, spalten, weil „die Wahrheit“ sie verwalten, sich für überlegen halten. Doch um Zukunft zu gestalten, hilft uns nicht das Händefalten.

 

 

Anregungs- und Beschwerdeausschuss an Klosterhalfen (28.5.2013)

 

Sehr geehrter Herr Professor Klosterhalfen,

zu Ihrer Eingabe vom 08.05.2013 liegt mir nunmehr die Stellungnahme des Leiters der Stadtbücherei vor. Diese möchte ich Ihnen zur Kenntnis geben.

Die Stadtbüchereien Düsseldorf sind eine Öffentliche Bibliothek mit der Aufgabe, die Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger mit aktuellen Medien und Informationen zu versorgen. Dies tun sie in einer Zentralbibliothek, 14 Stadtteilbüchereien und einem mobilen Bücherbus. Zudem bieten die Stadtbüchereien Düsseldorf ihren Kundinnen und Kunden elektronische Medien über ihre onlineBibliothek zur Ausleihe an.

Die Stadtbüchereien Düsseldorf sind keine Universalbibliothek, angeboten werden kann immer nur ein kleiner Ausschnitt aus dem auf dem Buchmarkt vorhandenen Angebot. Dabei erfolgt der Bestandsaufbau zugeschnitten auf die Hauptzielgruppen der Bibliothek. Besonderes Augenmerk gilt hierbei der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen mit der Leseförderung oder der Bereitstellung schulbegleitender Materialien in den Schülercentern. Für Erwachsene bilden unter anderem Belletristik sowie Ratgeber für alle Lebenslagen einen Schwerpunkt des Medienangebots der Stadtbüchereien. In der Zentralbibliothek ist die deutschsprachige Sach- und Fachliteratur ein wesentlicher Bestandteil. Wissenschaftliche Literatur gehört nicht zu den Schwerpunkten einer Stadtbücherei, sie gehört in eine wissenschaftliche Bibliothek, z.B. eine Universitätsbibliothek oder eine Spezialbibliothek.

Auswahlkriterien der Stadtbüchereien für die Anschaffung von Medien sind neben der Aktualität und der Qualität vor allem Kunden- und Nachfrageorientierung. Auf Grund beschränkter Mittel und des beschränkten Raumangebots muss eine Auswahl getroffen werden, die sich an dem zu erwartenden Zuspruch in der Ausleihe orientiert.

Ihre Vorschläge zur Bücheranschaffung wurden sowohl von der zuständigen Fachlektorin für Religion als auch vom verantwortlichen Abteilungsleiter für den Bestandsaufbau eingehend geprüft. Im Bestand der Stadtbüchereien Düsseldorf befinden sich sowohl Bücher für Christen, Juden, Moslems, Buddhisten und andere religiöse Menschen wie auch für Aufklärer und Religionskritiker, u.a. auch die von Ihnen vorgeschlagenen Autoren, wie Edgar Dahl, Carsten Frerk oder Gerd Lüdemann. Auch in anderen Bereichen können aufgrund der begrenzten Ressourcen nicht alle publizierten Werke in den Bestand aufgenommen werden. Das Interesse der Kundinnen und Kunden der Stadtbüchereien Düsseldorf an diesen Werken ist eher zurückhaltend.

Das von Ihnen zur Anschaffung vorgeschlagene Buch von Eva Müller ‚Gott hat hohe Nebenkosten’ ist bereits unter der Signatur Kfr 5 Muelle im Bestand der Stadtbüchereien Düsseldorf vorhanden. Erworben werden soll daneben die Neuauflage des Buches von Carsten Fink ‚Violettbuch der Kirchenfinanzen’. Daneben werden die Stadtbüchereien zwei Bücher von Karlheinz Deschner ‚Mit Gott und den Faschisten’ sowie ‚Kriminalgeschichte des Christentums’ Band 10 anschaffen. Damit wurde Ihrer Beschwerde zumindest zum Teil abgeholfen.

Die weiteren genannten Titel gehören aus Sicht der Stadtbüchereien nicht in das Angebotsprofil einer Öffentlichen Bibliothek, sind eher wissenschaftlich orientiert oder thematisch zu speziell. Ein Bestandsabgleich mit anderen großen deutschen Öffentlichen Bibliotheken hat ergeben, dass die Sichtweise der Stadtbüchereien Düsseldorf dort durchaus geteilt wird. In keiner Öffentlichen Bibliothek in Deutschland sind die von Ihnen aufgeführten Titel vollständig vorhanden, einige Titel wurden lediglich vereinzelt angeschafft, andere Titel hat keine Öffentliche Bibliothek im Bestand.

 Selbstverständlich kann die Stadtbücherei jedes von Kundinnen und Kunden angefragte Buch per Fernleihe innerhalb weniger Tage aus wissenschaftlichen Bibliotheken mit entsprechendem Bestandsnachweis besorgen. Jedes Buch wird beschafft, aber nicht jedes Buch gelangt durch Kauf in den Bestand der Stadtbüchereien Düsseldorf.

Bitte teilen Sie mir bis zum 04.06.2013 mit, ob Ihnen diese Informationen ausreichen. Sofern ich nichts gegenteiliges von Ihnen höre, erlaube ich mir Ihre Eingabe für den Anregungs- und Beschwerdeausschuss als erledigt zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Herrmann

Landeshauptstadt Düsseldorf

Hauptamt - Geschäftsstelle des Anregungs- und Beschwerdeausschusses

Tel. 0211-89 96285

Fax 0211-89 36285

 

Klosterhalfen an den Anregungs- und Beschwerdeausschuss (3.6.2013)

Sehr geehrte Frau Herrmann,

 

meine Beschwerde über die Anschaffungspolitik der Stadtbücherei im Fachbereich „Religion“ halte ich auch nach dem Schreiben des Leiters der Stadtbibliothek für nicht erledigt.

Im Gegenteil: Ich beschwere mich hiermit auch über die Stellungnahme von Herrn Dr. Norbert Kamp. Die ersten drei Absätze seiner Stellungnahme sind insofern irrelevant, als ich mich ja nicht über die generelle Ausrichtung der Stadtbibliothek beschwert habe, sondern über die Weigerung von Herrn Hommes und dessen „Fachlektorin für Religion“, auch nur eins von elf von mir vorgeschlagenen kirchenkritischen Büchern anzuschaffen, ohne diese Entscheidung in nachvollziehbarer Weise zu begründen. Es geht also nur um den Buchstaben „K“ in den Regalen der Stadtbücherei und die Frage, wie die für diesen Bereich zur Verfügung stehenden Gelder ausgegeben werden sollen. In meiner Beschwerde habe ich ausführlich erläutert, weshalb es sachlich nicht richtig war, die von mir vorgeschlagenen Bücher als „zu speziell“ und „zu wissenschaftlich“ abzulehnen. Auch Herr Dr. Kamp ignoriert diese Argumentation komplett. Dafür wiederholt er die schwache Argumentation von Herrn Hommes und mutet mir außerdem ein Strohmann-Argument zu: „In keiner Öffentlichen Bibliothek in Deutschland sind die von Ihnen aufgeführten Titel vollständig vorhanden“. Eine vollständige Erfüllung meiner Anschaffungswünsche habe ich weder erwartet noch irgendwann verlangt. Ich habe lediglich gebeten, dass einige der Bücher angeschafft werden. Dass die von mir vorgeschlagenen Bücher auch in anderen Stadtbüchereien selten zu finden sind, dürfte schlicht daran liegen, dass sie a) neu sind, b) wenig in den Medien beworben werden, c) wenige Bürger aktuelle kirchenkritische Bücher vorschlagen und d) über deren eventuelle Anschaffung in der Regel Theologen und Theologinnen entscheiden, also Menschen, die den Kirchen nahestehen. Solche Bücher sind aber angesichts der angelaufenen Debatte über die staatliche Unterstützung von Religionsgemeinschaften in unserer Demokratie zur Zeit für alle Bürger und Bürgerinnen wesentlich interessanter als die inzwischen hinlänglich bekannten christlichen und kirchlichen Positionen. Dass mit meiner zweiten Vorschlagsliste gnädiger umgegangen wird, nehme ich erfreut zur Kenntnis. Vielleicht hätte ich schon meine erste Liste per Einschreiben zustellen sollen.

 

Meine Eingabe möchte ich auch deswegen nicht zurückziehen, weil sie anregt, sich generell mit dem Verhältnis der Stadt zu den Kirchen zu beschäftigen.

Eine entsprechende Diskussion im Rathaus ist überfällig, und es wäre töricht, sie weiter aufzuschieben.

 

Meine Korrespondenz mit der Stadt Düsseldorf kann hier eingesehen werden: www.reimbibel.de/x.htm .

Sie dokumentiert, wie ein engagierter und auf einem bestimmten Gebiet kenntnisreicher Bürger von drei Angestellten der Stadt in einer Weise behandelt wurde, die eher zu einem Obrigkeitsstaat passt als zu einem demokratischen Gemeinwesen.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Dr. Wolfgang Klosterhalfen

 

 

Klosterhalfen an die Mitglieder des Anregungs- und Beschwerdeausschusses (10.6.2013)

 

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen

In der Donk 30

40599 Düsseldorf

wk@reimbibel.de

10.6.2013 

 

Sehr geehrte Mitglieder des Anregungs- und Beschwerdeausschusses der Stadt Düsseldorf,

 

im Zusammenhang mit meiner Beschwerde vom 8.5.2013 über die Stadtbücherei, die von elf von mir vorgeschlagenen kirchenkritischen Büchern kein einziges anzuschaffen bereit war, habe ich mit gleichem Schreiben angeregt, die Stadt möge über ihr Verhältnis zu den Kirchen nachdenken und im Sinne von Artikel 137 (1) des Grundgesetzes eine Trennung von Stadt und Kirche anstreben. (Meine Eingabe und die zugehörige Korrespondenz finden Sie hier: reimbibel.de/x.htm.)

 

Meine Anregungen möchte ich ergänzen durch Zusendung eines Flyers der Initiative „Kurze Beine – kurze Wege“, der am Beispiel der Bekenntnisgrundschulen zeigt, dass die Verquickung von Staat und Kirche in NRW zu gravierenden Problemen und Ungerechtigkeiten geführt hat.

 

Mit freundlichem Gruß

 

(W. Klosterhalfen)

 

 

Anregungs- und Beschwerdeausschuss an Klosterhalfen (26.6.2013)

 

Sehr geehrter Herr Prof. Klosterhalfen,

die nächste Sitzung des Anregungs- und Beschwerdeausschusses, in der Ihre Eingabe erörtert werden kann, soll am Mi, 10.07.2013 um 15 Uhr stattfinden. Da wir im Laufe dieser Woche die Tagesordnung festlegen müssen, teilen Sie mir doch bitte kurzfristig mit, ob Sie diesen Termin wahrnehmen können.

Hier einige Informationen zum Verfahren im Ausschuss:

Die Erörterung von Eingaben erfolgt in der Regel  im öffentlichen Teil der Sitzungen. Das heißt, dass Pressevertreter und interessierte Zuhörer bei der Sitzung anwesend sein dürfen. Die Antragsteller/innen werden zu der Sitzung, in der ihre Eingabe erörtert wird, eingeladen. Üblicherweise erhalten sie Gelegenheit, ihren Antrag nochmals mündlich zu erläutern. Auch die Verwaltung ist zugegen und nimmt zu der Eingabe Stellung.

Im Anschluss an die Erörterung kann der Anregungs- und Beschwerdeausschuss eine Empfehlung zum weiteren Umgang mit der Eingabe aussprechen. Er hat jedoch keine Entscheidungsbefugnis.

Wenn Ihre Eingabe zur Erörterung ansteht, wird sie als Bestandteil der Sitzungsunterlagen auch im Ratsinformationssystem der Landeshauptstadt Düsseldorf auf www.duesseldorf.de veröffentlicht und den örtlichen Medien zur Verfügung gestellt.

Bitte teilen Sie mir bei Ihrer Rückmeldung auch mit, ob Ihr Name im Internet veröffentlicht werden darf oder ob die Eingabe anonymisiert eingestellt werden soll.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Claudia Herrmann
-  Geschäftsstelle des Anregungs- und Beschwerdeausschusses -

Landeshauptstadt Düsseldorf
Hauptamt
10/41 -  Stadtverfassung
40200 Düsseldorf

Tel.       +49-(0)211-89-96285
Fax       +49-(0)211-89-36285
E-Mail: beschwerdeausschuss@duesseldorf.de

News, Events und Bürgerservice:
Das Internetportal der Landeshauptstadt Düsseldorf unter
http://www.duesseldorf.de
Den wöchentlichen Infoletter aus D üsseldorf abonnieren:
http://www.duesseldorf.de/infoletter

 

 

Klosterhalfen an Anregungs- und Beschwerdeausschuss (26.6.2013)

 

Sehr geehrte Frau Herrmann,

 

der Termin ist mir recht, mein Name darf im Internet veröffentlicht werden.

 

Mit freundlichem Gruß,

 

Dr. Wolfgang Klosterhalfen

 

Klosterhalfen an Anregungs- und Beschwerdeausschuss (4.7.2013)

 

Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen

In der Donk 30

40599 Düsseldorf

wk@reimbibel.de

4.7.2013 

 

Sehr geehrte Mitglieder des Anregungs- und Beschwerdeausschusses der Stadt Düsseldorf,

 

wie ich gerade im Internet feststellte, wird meine Eingabe vom 8.5.2013 wie folgt angekündigt:

 

Betrifft:

Bücherbeschaffung durch die Stadtbücherei

 

Kurzdarstellung:

Der Einsender beschwert sich darüber, dass die Stadtbücherei die Anschaffung einiger von ihm vorgeschlagener Bücher mit religionskritischem Inhalt ablehnt.

 

Dazu nehme ich wie folgt Stellung:

 

1. 

Meine Eingabe betrifft nicht nur die Stadtbücherei, sondern enthält auch einen Anregungsteil, in dem es um das Verhältnis der Stadt zu den Kirchen geht. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir, diesem Schreiben einen Flyer des Düsseldorfer Aufklärungsdiensts beizulegen.

 

2. 

Die Kurzdarstellung entspricht nicht der Wahrheit. Sie ist geeignet, dem Ausschuss zu suggerieren, hier würde sich ein Querulant darüber beschweren, dass die Stadtbücherei nicht alle seine Wünsche erfüllt hat.

 

Tatsächlich hat Herr Hommes aber nicht einige, sondern alle zwölf von mir am 9.3.2012 zur Anschaffung vorgeschlagenen Bücher abgelehnt. Elf dieser Bücher haben einen religions- bzw. kirchenkritischen Inhalt. Ich habe mich am 8.5.2013 ausschließlich über die skandalöse Argumentation hinsichtlich dieser Liste beschwert. Dass die Stadtbücherei nunmehr von den zehn Büchern einer neuen Liste vier angeschafft hat, freut mich, dürfte aber nicht zuletzt auf meine Beschwerde beim Ausschuss zurückzuführen sein und das Ziel verfolgen, mich dazu zu bewegen, meine Eingabe zurückzuziehen.

 

Um Ihnen Gelegenheit zu geben, die umstrittenen Bücher in Augenschein zu nehmen, werde ich am 10.7. ab

11 Uhr vor dem Rathaus einen Infotisch aufstellen.

 

Mit freundlichem Gruß

 

(Dr. W. Klosterhalfen)

 

Rede von Dr. Wolfgang Klosterhalfen vor dem Anregungs- und Beschwerdeausschuss der Stadt Düsseldorf

in dessen Sitzung am 10.7.2013 im Düsseldorfer Rathaus

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herrn,

 

der Index Librorum Prohibitorum der römischen Inquisition wurde menschseidank 1966 abgeschafft. Auf ihm landeten sogar Bücher so großartiger Autoren wie Kopernikus, Kant und Heine. Heute geht man dezenter vor: Bücher und Autoren werden nicht mehr verbrannt, aber kirchenkritische Bücher werden oft nicht verlegt, selten in den Massenmedien präsentiert und selten von Stadtbüchereien angeschafft.

 

Ich werfe der Stadtbücherei vor, dass sie nicht bereit war, von elf von mir vorgeschlagen kirchenkritischen Büchern auch nur ein einziges anzuschaffen. Diese Totalablehnung wurde damit begründet, die empfohlenen Werke seien zu speziell und zu wissenschaftlich. Gleichzeitig hat die Stadt eine große Anzahl prochristlicher Bücher gekauft. Darunter waren drei wissenschaftliche Bücher und Dutzende von Büchern, die man durchaus als recht speziell bezeichnen kann. Ich halte diese Anschaffungspolitik für mehr christlich als demokratisch.

 

Die Stadtbücherei ist eine wichtige Einrichtung aller Düsseldorfer Bürger, sie ist keine Abteilung der römisch-katholischen Kirche. Und kirchenkritische Bücher sind natürlich auch für den aufgeweckteren Teil der Düsseldorfer Christen interessant.

 

Es wurden von mir keine wissenschaftlichen Werke vorgeschlagen. Alle elf Bücher wurden für Nicht-Fachleute geschrieben. Es wurden allerdings einige populärwissenschaftliche Werke empfohlen. Diese hätten hervorragend in die Regale der Stadtbücherei gepasst. Leitende Angestellte einer Stadtbücherei sollten eigentlich zwischen wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Literatur unterscheiden können.

 

Etliche der von mir empfohlenen Bücher laufen bei Amazon gut. Das Buch zweier Bestsellerautoren, die zuvor Generation Doof verfasst hatten, erhielt inzwischen sensationelle 109 Leserrezensionen. Der Jesuswahn von Heinz-Werner Kubitza erhielt 55 Besprechungen. Das Buch des Didaktik-Professors Uwe Lehnert Warum ich kein Christ sein will kam auf 61 überwiegend positive Rezensionen allein bei Amazon. Zum Kinderbuch Wo bitte geht´s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel liegen 136 Amazon-Kritiken vor. Zum Vergleich: die populärsten Werke von Anselm Grün, von dem inklusive CDs 95 verschiedene Titel von der Stadtbücherei bestellt wurden oder von Margot Käßmann und Hans Küng liegen deutlich darunter.

 

Während sämtliche Bücher meiner Liste als zu speziell oder zu wissenschaftlich abgelehnt wurden, scheinen prochristliche Bücher der Stadt wesentlich besser zu gefallen. Ab Januar 2012 hat sie über 130 fromme Bücher erworben. Darunter waren auch vier Kinderbücher. Das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte geht´s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon wurde dagegen als zu speziell abgelehnt. Wenn Sie erlauben, kann ich Ihnen einige Beispiele für recht spezielle prochristliche Buchanschaffungen nennen.

 

Ausbreitung, Leben und Lehre der Kirche in den ersten drei Jahrhunderten

Das Blut der heiligen Anastasia

Der Frevel am Altar der heiligen Klara

Heilige in Köln

Die kirchliche Krise des Spätmittelalters

Vinzenz Pallotti – ein leidenschaftliches Leben

Antonius von Padua

Pater Pio hat geholfen

Paulus: Wie der Christenverfolger die Liebe entdeckte

Predigten zum Johannesevangelium von Aurelius Augustinus

Sonderheft Bistum Würzburg: Aufsätze

Tot in die Kirche?

 

Der letzte Titel ist zukunftsweisend. Es geht um die Umwidmung von Kirchen, die nicht mehr gebraucht werden.

 

Das Schlusswort überlasse ich einem Düsseldorfer, der nicht weit von hier gewohnt hat: "Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch."

 

In seiner Entgegnung auf obige Rede hat der Direktor der Stadtbüchereien, Herr Dr. Norbert Kamp, zahlreiche Angaben zur Anschaffungspolitik der Stadtbücherei gemacht. Herr Dr. Kamp führte u.a. aus, die Stadtbücherei sei keine Universalbibliothek, nur ein kleiner Ausschnitt könne angeboten werden, eine wichtige Zielgruppe seien Kinder und Jugendliche, Belletristik, Sach- und Fachliteratur seien wesentliche Bestandteile, die finanziellen Mittel seien beschränkt und es gäbe in der Stadtbücherei schon Bücher für Religionskritiker, z.B. von dem von mir zitierten Heinrich Heine (!). Im Wesentlichen wiederholte Kamp, was er schon in seiner schriftlichen Stellungnahme zu meiner schriftlichen Beschwerde vorgetragen hatte: www.reimbibel.de/x1.htm .

Diese Ausführungen waren zwar sachlich richtig, entkräfteten aber nicht meinen Vorwurf der Ungleichbehandlung von prochristlichen und kirchenkritischen Büchern. Im Gegenteil: Herr Dr. Kamp erklärte mündlich im Rathaus, auf den Bereich „Religion“ würden nur 0.4% der Ausleihen entfallen. Allein für den Teilbereich „Christentum“ wurden jedoch in eineinhalb Jahren über 130 Bücher angeschafft. Hätten die anderen Abteilungen entsprechend zugelangt, hätte man über 30.000 Bücher kaufen müssen. Entscheidend für die komplette Ablehnung meiner Buchwünsche war also nicht die sehr geringe Nachfrage, sondern eine deutliche Vorliebe für christliche und eine Abneigung gegen kirchenkritische Bücher.

 

Es ist klar, dass die CDU den Kirchen nahe steht und deshalb alle CDU-Mitglieder im Anregungs- und Beschwerdeausschuss der Stadt der folgenden Resolution des Ausschussvorsitzenden Franz-Dieter Simons (CDU) zugestimmt haben:

Da das Auswahlverfahren zur Bücherbeschaffung durch die Stadtbücherei transparent ist und darüber hinaus jedes Buch im

Wege der Fernleihe ausgeliehen werden kann, sieht der Anregungs-und Beschwerdeausschuss von einer Empfehlung im Sinne der Eingabe ab.

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Abstimmungsergebnis:

10 JA

(CDU, FDP)

5 NEIN

(SPD, Herr Dr. Sawalies)

3 Enthaltungen (Bü 90/Grüne)

Der Beschwerde wird somit nicht abgeholfen.“

http://ratsinfo.duesseldorf.de/ratsinfo/duesseldorf/8040/TmllZGVyc2NocmlmdA==/9/n/199514.doc Seite 7

 

 

Die Westdeutsche Zeitung (WZ) schrieb am 11.7.2013:

„Ist die Stadtbücherei etwa ein heimlicher Verteidiger des Christentums?“

 

Ja, es sieht ganz danach aus. Und sie wird dabei von der CDU und der FDP im Rathaus unterstützt.

Und von der WZ, für die Alexander Schulte einen den Beschwerdeführer als Spinner darstellenden Bericht schrieb.

Schulte unterschlug, dass die Stadtbücherei trotz geringem Leserinteresses in großem Umfang christliche Bücher anschaffte und referierte im Stil einer Hofberichterstattung die faulen Ausreden des Direktors der Stadtbibliothek Düsseldorf, Dr. Norbert Kamp. Argumente des Antragstellers wurden vollständig unterschlagen.

http://reimbibel.de/WZ-Mail-von-Klosterhalfen-an-Michael-Vogler-wg-Alexander-Schulte.htm

 

 

Weitere Informationen zu diesem Bibliotheksskandal:

 

Eingabe von Dr. Klosterhalfen und Stellungnahme der Stadtbücherei:

www.reimbibel.de/x1.htm 

 

Protokoll der Anhörung im Rathaus:

(unterschlägt wesentliche Argumente des Petenten, s. Eingabe und oben abgedruckte Rede)

www.reimbibel.de/Niederschrift.pdf

 

Liste der von der Stadtbücherei ab Jan. 2012 angeschafften prochristlichen Bücher:

www.reimbibel.de/x2.htm

 

Gesamte Korrespondenz von Dr. Klosterhalfen mit der Stadt Düsseldorf:

www.reimbibel.de/x.htm

 

Das Zitat von Heinrich-Heine findet man hier:

HSA Bd. 20, Brief Nr. 235: Heinrich Heine an Karl August Varnhagen von Ense, 19. Oktober 1827, Seite 302

 

Pressemeldung (Düsseldorfer Aufklärungsdienst):

www.reimbibel.de/x5.htm

 

Homepage von Dr. Klosterhalfen:

www.reimbibel.de

 

E-Mail an Dr. Klosterhalfen:

wk et reimbibel.de

 

Dr. Wolfgang Klosterhalfen

In der Donk 30

40599 Düsseldorf

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